Mara und das Geheimnis der Feuerblume

Episode 13

„Ladies and Gentlemen, der Tag ist früh, die Nacht war kurz!“, seine laute Stimme riss Mara und Sebastian aus ihren Schlaf.

„Das auch noch!“, Mara sah erschrocken auf und erblickte ihren Gefährten in der Schlafzimmertür. Sie war müde, sie wollte schlafen und ließ sich wieder zurück in ihr Kissen fallen. Sebastian regte sich nun auch neben ihr.

„Hallo ihr zwei Nachteulen, ich habe frische Brötchen gekauft. Weil es alle getan haben. Ich habe mich in diese Reihe gestellt und habe gefragt, was denn hier los sei. Und sie haben gesagt, dass sie für ihre Frau oder Freundin Brötchen kaufen, da es sonst sehr ungemütlich am Sonntagmorgen werden würde. Und so dachte ich mir, dass ich das gleiche für meine Freunde tue. Naja, habe gedacht, dass ihr euch wenigstens freut!“, er verzog sein Gesicht zu einer bemitleidenswerten Miene, das hatte er schon voll drauf.

„Das ist echt lieb von dir, nur ist es irgendwie noch viel zu früh!“, Mara richtete sich wieder auf und sah diesen riesigen Kerl mit der Bäckertüte in der Hand und musste lächeln. Sie entschied sich aufzustehen und zog dabei die Decke an sich.

„Hey Engel, was tust du da!“, Sebastian schimpfte, als Mara mitsamt der Decke aufstand und er vollkommen nackt auf dem Bett lag. Sogleich zog er das Kissen unter seinem Kopf hervor und bedeckte seinen Schambereich.

„Er ist ein Mann, du bist ein Mann, ich glaube nicht, dass er nicht auch das gesehen hat, was du hast!“, Mara richtete sich auf und ging wie eine Königin zur Schlafzimmertür, ihre Decke zog sie wie ein lange Schleppe hinter sich her.

„Du redest von einem Penis, einem männlichen Geschlecht, auch Glied oder Phallus genannt!“, dieser Mann war … Mara ging auf ihn zu und gab ihn einen Kuss auf die Wange.

„Genau davon!“ und sie zwinkerte ihm zu, „Das ist übrigens Sebastian!“.

„Ich weiß!“

„Dann solltet ihr euch anfreunden. Anscheinend sieht er dich ja jetzt!“, Mara war bereits aus der Tür gegangen.

„Ich habe ihn auch schon vorher gesehen, aber ich habe ihn ignoriert. Er hat die ganze Zeit wie ein Verrückter gesungen!“, rief Sebastian hinter ihr her.

Mara war bei seinen Worten wieder umgekehrt, „Sebastian Moor, du bist doch der größte Trottel aller Zeiten. Er ist der Schlüssel zur Feuerblume und du hast ihn ignoriert. Liebster gewöhne dich an den Gedanken, dass wir jetzt ein Team sind und dass er auch dazu gehört!“, Mara zeigte auf ihren Gefährten.

„Das werde ich!“, stöhnend ließ sich Sebastian nach hinten fallen, „Aber bitte ohne seine Gesänge!“.

Lauthals begann er ‚The Show must go on‘ von Queen zu singen und ging hinter Mara her und bog Richtung Küche ab.

Mara lachte laut auf, sie mochte ihren Gefährten viel zu sehr und verschwand im Badezimmer.

Frisch geduscht und wie ein vollkommen neuer Mensch kam Mara aus dem Badezimmer, als sie die Worte hörte, welche aus der Küche drangen. Sie folgte dem Geruch von frisch gebrühten Kaffee und diesen verheißungsvollen Brötchen, welche er extra vom Bäcker geholt hatte. Sebastian saß zusammen mit ihm am Tisch. Sie waren in ein Gespräch vertieft und das gefiel Mara sehr. Sie ließ sich auf einen der freien Stühle nieder und versuchte bei ihrem Gespräch Anschluss zu finden, doch so richtig schlau wurde sie nicht.

Ihr Gefährte goss ihr Kaffee in die Tasse, wofür sie sich bei ihm bedankte. Sie nahm sich ein Brötchen und grinste beide Männer an ihrem Tisch an, „Dieser Tag ist so perfekt!“.

„Warum?“, Sebastian sah sie fragend an.

„Mein Liebster fragt mich, warum! Weil du bei mir bist und ich so unendlich glücklich bin. Und weil wir einen gemeinsamen Freund haben, der uns bezüglich der Feuerblume hilft. Was kann da nicht perfekt sein?“

„Die Vorstellung, dass Xynthia an einer illegalen Substanz gestorben sein muss!“, Sebastian war viel zu realistisch.

„Wie kommst du darauf?“, Mara sah Sebastian entsetzt an.

„Die Ärzte haben es erwähnt, aber es wird vertuscht, weil es da weit mächtigere Männer gibt, die dafür verantwortlich sind!“

„Bleib bitte ruhig Mara, wir finden diese Männer und dann werden sie zur Verantwortung gezogen!“, der Gefährte hatte seine Hand auf ihre gelegt, weil er bemerkte, wie in Mara die Erinnerungen hochkamen und sie noch lange nicht den Tod von Xynthia verarbeitet hatte. Sie wischte sich ihre Tränen aus dem Gesicht.

Mara räusperte sich und sprach, „Ihr habt Recht. Wir haben jetzt die Chance gemeinsam zu ermitteln und das werden wir auch tun!“.

„Aber keinen Sex mehr mit Marco Sanders!“, Sebastian sah sie eindringlich an.

„Wenn er uns weiterhilft!“, sagte Mara ohne groß zu überlegen.

Sebastian ließ laut scheppernd das Messer fallen und sah Mara vollkommen entgeistert an. Er liebte diese Frau und sie würde allen Ernstes Sex mit Marco Sanders haben, wenn es sie in ihren Ermittlungen weiterbrachte.

„Du solltest es Sebastian erklären, wieso du Sex mit ihm hattest!“, der Gefährte redete Mara gut zu.

„Sage bloß, du hast mit ihm schon darüber geredet?“, Sebastian war fassungslos.

„Nein Mister Neunmalklug!“, Mara funkelte Sebastian böse an, „Er kann unsere Gedanken lesen, was manchmal sehr hilfreich ist!“.

„Okayyyy!“, Sebastian sah den Gefährten mehr als misstrauisch an.

Dieser grinste breit, „Keine Angst, ich sage ihr nichts von deiner Affäre mit Roxanne letzte Woche!“.

Mara wollte gerade aufspringen, als ihr Gefährte sie mit seiner Hand festhielt, „Kleines, das war ein Scherz! Jetzt beruhigst du dich erstmal und dann redet ihr zwei, was dringend nötig ist, denn so kommen wir bezüglich der Feuerblume nicht weiter!“.

Sebastian fand ihn allmählich sympathisch und er lächelte ihn dankbar an. Mara war nicht immer einfach, aber mit ihm an seiner Seite, war es weit einfacher für Sebastian.

„Du hörst mir jetzt zu, ohne mich zu unterbrechen!“, Mara sah Sebastian an und war aufgestanden. Sie hatte sich ans Fenster gestellt und den beiden Männer ihren Rücken zugekehrt. Sie konnte ihnen bei ihren Worten nicht in die Augen blicken, „Die erste Begegnung an diesem Abend mit Marco Sanders hatte ich, als Xynthia mich einigen Leuten vorstellte. Plötzlich kam Jessica Baier wie eine Furie auf mich zugelaufen. Sie hätte mich am liebsten sofort von der Party geschmissen. Marco Sanders wurde mir als ihr Freund vorgestellt und irgendwie schien ich ihm zu gefallen, denn seine Blicke sprachen Bände. Jessica bemerkte das natürlich und war dann noch schlechter drauf. Sie wollte seinem peinlichen Auftritt ein Ende setzen und sagte ihm, er müsste noch mehr Gäste begrüßen. Laufe des Abends begegneten wir uns immer wieder rein zufällig, aber es kam zu keinen weiteren Gespräch. Irgendwann, als ich die Toilette verließ, musste er mich abgepasst haben, denn er stand davor und sprach mich sofort an. Ich hatte bereits etliche Cocktails getrunken und fühlte mich leicht benommen, war im Grunde nicht mehr zurechnungsfähig. Er redete auf mich ein, was für eine schöne Frau ich sei und halt das, was Frauen hören wollen. Plötzlich hatte ich diese innere Eingebung, er war der Mann, der in mir Rachegelüste hervorrief. Der mich von meinen tiefen seelischen Schmerzen, die mir Jessica Baier all die Jahre zugefügt hatte, befreien konnte. Ich sah ihn an und sah, wie sehr ich mit ihm Jessica Baier demütigen konnte. Es war meine Chance es endlich Jessica so richtig heimzuzahlen. Ich begann ihn zu küssen, nachdem er mich unmissverständlich angemacht hatte und mir direkt gesagt hatte, er wollte sich unbedingt mit mir treffen. Ich zeigte ihm, dass ich eine heiße, begehrenswerte Frau war und er war so leicht um den Finger zu wickeln. Samantha hatte uns erwischt, ich hatte geglaubt, sie würde es sofort Jessica erzählten. Am späteren Abend jedoch redete sie auf mich ein, dass ich lieber die Finger von Marco Sanders lassen sollte, denn das würde mir Jessica niemals verzeihen. Ich war auf der Suche nach Xynthia, als ich wie durch Zufall Marco Sanders über den Weg lief. Er nahm mich in sein Spiegelzimmer, so etwas hatte ich zuvor noch nie gesehen. Wir küssten uns und währenddessen spürte ich es tief in mir, ich musste diesen Mann vollkommen unter Kontrolle haben. Ich war der Racheengel, meine Gedanken waren so kalkuliert, so leidenschaftslos, so eiskalt, dass ich im ersten Moment selbst vor mir erschrak. Aber dieses Zimmer mit den Spiegeln, der Gedanke daran, dass ich in diesen Moment Jessica Baier zutiefst verletzen würde, machte aus mir eine vollkommen andere Frau. Wir hatten Sex, ich hatte die Kontrolle über ihn, was ihm scheinbar sehr gefiel. Es war eine lange Nacht mit dem wohl unromantischsten Sex, den ich je gehabt habe.“, Mara drehte sich um und blickte Sebastian an.

Er brauchte einige Minuten, um ihre Worte zu verarbeiten, dann stand er auf und ging auf sie zu, „Ich habe immer gedacht, wir Männer wären nur zu so etwas fähig, aber dass ihr Frauen das auch könnt, das erschreckt mich jetzt ein wenig!“. Er nahm sie fest in seine Arme, „Ich liebe dich mein Engel, verzeihe mir, dass ich gedacht hatte, du würdest den Sex mit Marco genießen. Du musst mich verstehen, er sieht fantastisch aus, ich bin nur noch ein Krüppel. Ich habe einfach nur Angst, ich könnte dich verlieren!“.

Mara schmiegte sich ganz fest an ihn, „Niemals, ich gehöre nur dir!“, sie küsste ihn und wäre ihr Gefährte nicht da gewesen, so wusste sie ganz genau, was sie als nächstes mit ihm gemacht hätte.

„Somit wäre das jetzt auch endlich geklärt und wir können uns endlich dem widmen, was momentan weit wichtiger ist!“, ihr Gefährte goss sich erneut einen Kaffee ein, „Dieses leckere Frühstück hier zu genießen!“

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Mara und das Geheimnis der Feuerblume

Episode 12

Es geht nicht darum besser zu sein, es geht darum anders zu sein!

Mara blickte sich im Spiegel an und fand, dass sie vollkommen übermüdet aussah. Der Tag mit ihrem Gefährten hatte ihr gut getan. Jedoch die Trauerfeier von Xynthia hatte sie vollkommen fertig gemacht. Letztlich war es ihr wichtig, dass sie herausfinden musste, warum Xynthia sterben musste. Weder Tommy noch Ivonne könnten ihr helfen. Also musste sie umdenken, sie war jetzt der Boss, laut ihrem Gefährten, also musste sie Entscheidungen treffen. Nur welche Entscheidungen?

Mit der Zahnbürste im Mund rannte sie durch die Wohnung und versuchte zu ein paar brauchbaren Gedanken zu gelangen. Nichts! Ihr Kopf fühlte sich vollkommen leer an. Wie sollte sie hinter das Geheimnis der Feuerblume kommen, wenn sie es nicht einmal schaffte ansatzweise wie ein Boss zu denken. Als es an ihrer Wohnungstür klingelte, wurde Mara aus ihren Gedanken gerissen. Mit samt ihrer Zahnbürste im Mund lief sie zur Tür und öffnete diese. Sie kam nicht mehr aus dem Staunen heraus. Die Zahnpasta tropfte auf den Boden, doch Mara stand bewegungslos im Türrahmen.

„Würdest du mich bitte reinlassen!“, es war Sebastian Moor. Er hatte sich die Kapuze seiner Jacke tief ins Gesicht gezogen, um nicht erkannt zu werden.

Mara wollte sprechen, bemerkte jedoch, dass ihr Mund voller Zahnpasta war. Sie rannte ins Badezimmer, spuckte die Zahnpasta ins Waschbecken und spülte sich ihren Mund aus. Sebastian war ihr gefolgt und stand genau an der Stelle, als er zu ihr gesagt hatte, dass er nicht mehr zu ihr kommen würde. Er war die Feuerblume, sie hatte es gewusst. Und als sie sein Bild im Buch der Feuerblume gesehen hatte, da waren alle Zweifel in ihr gewichen. Sie blickte zu ihm und er schob sich seine Kapuze vom Kopf. Sie sah seine Narben, aber sie empfand sie nicht als schlimm. Sie wusste, dass sie diesen Mann liebte.

Nachdem sie sich ihren Mund mit dem Handtuch abgetrocknet hatte, ging sie zu ihm. Was würde er dieses Mal zu ihr sagen. Sie stand vor ihm, er sagte kein einziges Wort, sondern blickte sie nur an. Sie spürte, dass er zögerte. Also war es an der Zeit, dass sie den ersten Schritt tat. Schließlich war sie neunundzwanzig und musste niemanden mehr fragen, ob sie diesen Mann küssen durfte.

Sie umfasste seine Hände und ging diesen letzten Schritt auf ihn zu, um nun direkt vor ihm zu stehen, „Ich liebe dich!“, flüsterte sie, ihre Lippen trafen auf seinen Mund. Er war nicht überrascht, er war sichtlich angetan, dass sie den ersten Schritt getan hatte. Er zog sie ganz eng an sich. Seine Hände streichelten sanft über ihren Rücken. Ihre Lippen öffneten sich leicht, sogleich fand seine Zunge ihre und es fühlte sich fantastisch an. Sie wollte ihn, nur ihn. Sie zog ihm seine Jacke aus, zog ihm das Shirt über den Kopf. Er stand mit nacktem Oberkörper vor ihr. Mara sah, wie sich die Brandnarben von seinem Gesicht zu seinem Hals über seine Schulter zu seinem Arm zogen. Es störte sie keineswegs. Sie war so ungeduldig, dass sie mit zittrigen Händen seine Hose öffnete. Vollkommen außer Atem von ihren vielen Küssen landeten sie auf Maras Bett. Er liebkoste ihren Körper, jeden Zentimeter ihrer Haut. Sie fühlte sich so wundervoll an, dass Sebastian nicht genug von Mara bekommen konnte. Immer wieder stöhnte sie auf, wenn er eine besonders empfindliche Stelle ihres Körpers erobert hatte, das machte ihn noch verrückter und er musste diese Stelle ein weiteres Mal verwöhnen. Angekommen zwischen ihren Schenkeln tauchte er hinab. Seine Lippen und seine Zunge brachten Mara zu dem Gipfel der puren Lust und entfachte in ihr das Feuer der Leidenschaft. Ihr Stöhnen wurde lauter, ihr Atem kürzer, ihre Bewegungen schneller. Mara hatte sich kaum erholt, da spürte sie, wie er sich auf sie legte. Nun war es an der Zeit, dass sie das Ruder übernahm. Sie stieß ihn weg, was ihn verwunderte. Als sie begann seinen Körper zu küssen und zu streicheln, ließ er es geschehen und genoss jede einzelne Liebkosung von ihr so sehr. Mara spürte wieder diese unbändige Lust in sich, die Kontrolle zu übernehmen. Immer wieder küsste sie Sebastian auf den Mund, gab sich ihm hin, um sich im nächsten Moment ihm wieder zu entziehen. Es war ein Spiel, was Mara gefiel, diesen Mann heiß zu machen, ihn an seine Grenzen zu bringen. Ihre Hände und Lippen vollführten wahre Wunder, er begehrte diese Frau so sehr, dass er nicht länger warten konnte. Es war nicht zu übersehen und für Mara war es ein besonderer Genuss, als sie ihn zuerst mit ihren Händen, dann mit ihren Lippen verwöhnen durfte und letztlich tief in sich spüren durfte. Er sah ihr dabei tief in die Augen, sie war so unglaublich glücklich, dass sie ihn anlächelte, er erwiderte ihr Lächeln und küsste sie immer wieder, mal sanft und anschließend fordernd. Seine Bewegungen wurden intensiver und tiefer. Mara hatte sich nichts sehnlicher gewünscht, als diesen Moment mit ihm zu teilen, den Mann, den sie über alles liebte.

Sie lag in seinen Armen. Bislang hatte noch keiner ein Wort gesprochen. Mara war so glücklich. Ihr linkes Bein umschlang seinen Körper, dieser Mann gehörte ihr, nur ihr.

„Ivonne hat gesagt, du hättest einen Freund mit einem Motorrad?“, seine Stimme war sanft und dennoch neugierig.

Mara hob ihren Kopf und küsste die Narben auf seiner Schulter, „Mein Freund liegt gerade hier in meinem Bett!“, sie schob sich leicht nach oben und küsste ihn auf seinen Mund. Wieder fanden sich ihre Zungen, sie konnte von diesem Mann einfach nicht genug bekommen.

Sebastian schob sie leicht von sich, „Wer ist er?“.

„Warte!“, Mara war aufgestanden und lief nackt durch die Wohnung. Sie kam mit dem Buch der Feuerblume zurück und gab es ihm. Sie sah an seinem verdutzten Blick, dass ihm das Buch bekannt vorkam. „Er ist mein Gefährte!“, Mara erzählte ihm die ganze Geschichte, dass sie nach ihrem Streit ihr Handy aus dem Fenster geworfen hatte, dass sie deshalb ihre Mutter besuchen wollte, aber anschließend bei den Industrieruinen gelandet war und dass sie ihn auf dem Dach des ersten Lagerhauses getroffen hatte. Dass sie mit ihm vierzig Meter in die Tiefe gesprungen war und noch immer lebte. Dass sie nach der Trauerfeier von Xynhia mit ihm auf seinem Motorrad einen Ausflug zu einer Hütte auf einem Berg unternommen hatte. Dass sie sein Boss war, so wie Sebastian ihr Boss gewesen war. Und dass er Sebastian kannte.

„Er wusste, wer ich war?“, Sebastian hielt das Buch in seinen Händen.

„Ja und wenn du mal das Buch durchblätterst, dann wirst du etwas entdecken!“

Er tat wie ihr befohlen und blätterte die Seiten um, dann erkannte er sich und neben ihm war Mara. Jetzt war auch sie ganz verblüfft. Sie richtete sich auf und es war eindeutig zu sehen, sie gehörten zusammen, sie beide waren dazu da, um das Geheimnis der Feuerblume zu entschlüsseln!

Sebastian strich sanft über die Zeichnung von Mara, klappte das Buch zu und legte es auf ihr Nachttisch, „Ich war so eifersüchtig gewesen, als Ivonne es mir erzählt hat. Ich war so wütend auf dich, erst Marco Sanders und dann, wie nannte ihn Ivonne, einen Rocker!“, Sebastian lag über ihr und streichelte sanft ihr Gesicht. Ihre Blicke trafen sich, „Du gehörst mir mein Engel, nur mir! Ich liebe dich so sehr!“.

„Genau das wollte ich doch nur hören!“ und sie zog ihn zu sich herunter und küsste ihn erneut.

Es geht nicht darum besser zu sein, es geht darum anders zu sein! Jetzt verstand auch Mara diesen Satz. Sie musste nicht besser als Sebastian sein. Sie musste anders sein, diesmal gab es nicht nur eine Person, wie sonst, die im Dienste der Feuerblume stand. Dieses Mal gab es zwei. Sie waren noch immer ein Team, jedoch waren sie diesmal ein ebenbürtiges Team.

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Mara und das Geheimnis der Feuerblume

Episode 11

Mara spürte den kalten Fahrtwind, welcher ihr das Gefühl von Freiheit gab. Ihre Arme lagen noch immer fest um seinen Hüften. Sie vertraute ihm vollkommen und begab sich mit ihm auf ihre Reise zu sich selbst. Er war ein sehr guter Motorradfahrer. Sie fuhren seit einer Stunde. Mara war noch nie so weit aufs Land gefahren. Ihre Eltern liebten die Stadt und hatten es immer gemieden das umliegende Land ihren Kindern zu zeigen. Mara staunte über die vielen kleinen Dörfer und Gehöfte an denen sie vorüberfuhren. Jede Menge Wälder, Wiesen und Felder zogen an ihnen vorüber. Sie sah einen gewaltigen Berg, welcher sich vor ihnen auftat. Die Spitze des Berges war von einer Wolkenschicht verhangen. Mara staunte nicht schlecht, als sie am Fuße des Berges einen riesigen, glasklaren See erkannte. Einige Autos standen bereits auf dem Parkplatz, auf welchen er jetzt auch fuhr.

Mara lief neben ihm her. Er war so groß und sie wirkte neben ihm so klein und zierlich.

„Dort oben ist eine kleine Hütte, da bekommen wir bestimmt etwas Gutes zu Essen. Warst du da schon einmal?“, er zeigte auf einen winzigen Punkt in der Mitte des Berges.

Mara war erstaunt, wie gut er sich hier auskannte, „Nein, aber woher kennst du diese Hütte?“.

Er lachte, „Wenn man sechshundertdreißig Jahre alt ist, dann kennt man sehr vieles!“ und er zwinkerte Mara zu. Er half ihr den schmalen Weg des Berges zu besteigen. Mara hatte natürlich nicht die geeigneten Schuhe an, das hatte er nicht mit einkalkuliert. Aber er war sehr fürsorglich und reichte ihr immer wieder seine Hand, damit sie einen besseren Halt beim Gehen hatte.

Sie hatten einen Tisch am Fenster bekommen und somit einen fantastischen Ausblick hinunter ins Tal. Mara hätte zu gern ihrem Bruder diesen Moment gegönnt und sie spürte wieder einmal, wie sehr sie ihre Eltern für ihre egoistische Denkweise doch hasste. Sie hatten immer nur an sich gedacht und ihre Kinder vollkommen vergessen. Ihr kleiner Bruder war Teil ihres Lebens und sie nahm sich ganz fest vor, ihn diesen Moment auch einmal zu schenken.

„Hast du ein Handy?“, sie sah ihn fragend an.

„Nein! Ist mir zu anstrengend! Außerdem weiß ich doch nicht, was mein nächster Boss aus mir macht!“, er lachte laut auf und Mara grinste verlegen.

„Ist dir das zu viel. Ich meine so, wie du jetzt bist?“, Mara sah ihn verlegen an.

„Mache dir mal keine Sorgen um mich Kleines. Mir geht es fantastisch. Ich mache mir mehr Sorgen um dich!“, er sah sie eindringlich an.

„Mir geht es bestens!“, versicherte ihm Mara.

Die Kellnerin brachte ihnen zwei Kaffee und zwei Stückchen Himbeersahnetorte.

„Vielen Dank, sieht fantastisch aus!“, Mara entging nicht, dass er mit jeden weiblichen Wesen flirtete. So, wie er aussah, war das schließlich ein Kinderspiel, die Frauen lagen ihm ja quasi zu Füßen. Im Grunde war Mara sogar froh, denn wer hatte schon so einen überaus attraktiven Gefährten an seiner Seite. Mara beobachtete ihn, als er einen Schluck Kaffee trank. Seine Augen waren geschlossen und er genoss diesen Moment so sehr. Für Mara war ein Schluck Kaffee etwas ganz Normales. Er hatte sechshundertdreißig Jahre alles sein können und deshalb war ein Schluck Kaffee seine momentane geschmackliche Explosion, die er auf sich wirken ließ.

Er öffnete seine Augen und bemerkte, wie Mara ihn beobachtet hatte und grinste verlegen, „War das erste Mal für mich! Also ganz sicher habe ich irgendwann schon einmal Kaffee getrunken, aber mein Gehirn kann schließlich nicht alle Erinnerungen so haargenau abspeichern!“.

Nun musste auch sie grinsen, „Du bist so genial!“.

„Ist das ein Kompliment?“, er kannte sich in ihrer Sprache noch nicht so gut aus und das fand Mara noch weit lustiger.

„Ja, würde ich schon sagen!“ und sie lächelte ihn glücklich an.

„Hast du dir das Buch angeschaut?“, er sprach nun sehr leise zu ihr, denn dieses Geheimnis sollte ein Geheimnis bleiben.

„Ja habe ich!“, flüstere Mara zurück …

… Mara hatte seine Hand gespürt, wie er sie ganz fest hielt und dann war sie mit ihm gemeinsam gesprungen, im freien Fall vom Lagerdach. Sie schrie aus Leibeskräften, es gab keinerlei Sicherheit für sie, kein Seil oder ähnliches. Sie schrie und schrie und spürte, wie sie immer tiefer und tiefer fiel. Weit entfernt hörte sie eine männliche Stimme, sie sang ‚Yello Submarine‘ von den Beatles. Wie konnte er singen, wenn sie vierzig Meter tief fielen. Hatte er noch alle Latten am Zaun. Mara wurde wütend und öffnete ihre Augen. Sie fiel gar nicht, sie stand auf der Erde und er saß auf dem Gehsteig neben ihr und sang lauthals dieses Lied. Mara war so wütend, dass sie ihn am liebsten erwürgt hätte.

„Das kannst du vergessen Kleines!“, er war aufgestanden und grinste sie an.

„Was?“, sie funkelte ihn böse an.

„Das du mich erwürgst!“, er lief voraus, ohne sie weiter zu beachten.

Sie rannte hinter ihm her und schrie aus Leibeskräfte, wie bekloppt er doch wäre und was für ein Arsch und vollkommen durchgeknallt und dass er der größte Idiot aller Zeiten war. Im Grunde war sie mehr wütend auf sich selbst, sie hatte die Kontrolle über sich verloren und sie hatte etwas geschafft, was sie niemals für möglich gehalten hatte. Sie war gesprungen, sie hatte ihm zu hundert Prozent vertraut. Obwohl sie das niemals ohne ihn gemachte hätte, dann wäre sie zu hundert Prozent tot gewesen. Aber mit ihm war alles anders, sie nannte es Magie oder wie er – Illusion. Sie hatte keine Ahnung, wie es funktionierte, aber es funktionierte und damit musste sie sich vorerst abfinden.

Er hatte sie nach Hause gebracht. Dort hatte sie tatsächlich in ihrem Briefkasten das Buch gefunden. Nun endlich lag es in ihren Händen. Der dunkelbraune Ledereinband war sehr stark abgegriffen. Mara hatte keine Ahnung, wie viele Hände es bereits berührt hatten. Sie öffnete ganz vorsichtig das Buch. Auf der ersten Seite erkannte sie eine Blume. Sie war wunderschön! Sie war gezeichnet und mit roter Farbe getränkt. Sie hatte etwas Lebendiges an sich, so, als würde sie sich bewegen. Maras Finger strichen ganz sanft darüber und sie konnte jedes einzelne Blütenblatt spüren. Es war so ein irres Gefühl, einerseits war es eine Zeichnung und doch fühlte sich diese Blume vollkommen echt unter ihren Fingern an. Mara blätterte weiter. Es sah aus wie eine Widmung, handgeschrieben, doch Mara konnte diese Schrift nicht lesen. Auf den folgenden Seiten sah sie eine so akkurate und saubere Handschrift mit schwarzer Tinte geschrieben, wie sie es noch nie zuvor in ihrem Leben gesehen hatte. Die Buchstaben waren Zeichen, längliche Zeichen, immer wieder waren zwischen diesen unterschiedlich langen geschwungenen Linien, wie sie Mara beschreiben würde, Punkte und kleine Querstriche gesetzt. Mara hätte zu gern gewusst, was diese Worte wohl heißen würden. Viel weiter hinten entdeckte sie immer wieder diese eigenartigen Zeichen, die ihr Gefährte auch auf der Brust und am Hals als Tätowierung trug. Sie blätterte weiter und dann sah sie ganz viele Zeichnungen. Es waren Gesichter von Menschen. Mara blickte sich die Gesichter genau an. Eine Frau mit einem riesigen Hut. Sie wirkte so vornehm und dennoch war ihr Lächeln eiskalt. Da war dieser Mann mit dem geschwungenen Schnurbart, er hatte einen Zylinder auf seinem Kopf und eine Zigarre im Mund. Auf der folgenden Seite erkannte sie ein junges Mädchen kaum sechszehn, sie hatte glattes, langes Haar, ihre Augen wirkten so unfassbar traurig und ihr Mund war so dermaßen zusammengepresst, als wollte sie verhindern, dass ein Wort durch ihre Lippen drang. Darunter war ein Mönch. Seine Kutte verriet ihn, sowie seine leicht gebückte Haltung und seine gefalteten Hände. Eine Frau, die ein Kopftuch trug, ihr Gesicht war von Falten gezeichnet, aber ihr gutmütiges und sanftes Lächeln ließ erkennen, dass sie wohl eine liebenswerte Person gewesen sein musste. Ein kleiner Junge, dessen Gesicht mit Sommersprossen übersät war. Seine Ohren standen so sehr von seinem Kopf ab, dass Mara grinsen musste. Er hatte diesen neugierigen Blick, den sie von ihrem Bruder kannte. Mara blätterte immer weiter und weiter. Es waren bestimmt über hundert Gesichter. Und dann kamen nur noch leere Seiten, was sie ganz und gar nicht verstand. Sie schlug die letzte Seite von den gemalten Gesichtern auf und erkannte ihn sofort. Sie schluckte schwer, denn sie hatte es verstanden. In diesem Buch waren die Personen gezeichnet, die der Feuerblume auf irgendeine Weise sehr nahe gestanden haben. Ihre Finger strichen über sein Gesicht. Sie vermisste ihn, sehr sogar. Sie liebte ihn noch immer und sie wusste nicht, wie lange dieses schmerzhafte Gefühl in ihr anhalten würde…

„Und was sagst du zu dem Buch?“, er betrachtete das Stück Torte vor sich, als wäre es ein Kunstwerk.

„Das kannst du essen!“, Mara zeigte auf seine Himbeersahnetorte und zwinkerte ihm zu.

„Wäre zu schade, so etwas habe ich noch nie zuvor gesehen! Vielleicht schon, aber sicher kann man sich ja nie sein!“, sagte er, als er noch immer das Stück Torte betrachtete und den Teller hin und her drehte.

„Dann musst du die Torte jetzt unbedingt probieren!“, Mara hatte ihr erstes Stück bereits in den Mund geschoben und wusste, wie lecker dieser Kuchen war. Die süßsauren Himbeeren, die sich mit dem cremigen Vanillegeschmack vereinten, das war Genuss pur. Sie beobachtete ihn und musste bei seinem Blick leicht auflachen. Schade, dass sie kein Handy mehr hatte, zu gern hätte sie diesen Moment festgehalten und ihm das Foto gezeigt.

Seine Lippen verzogen sich im ersten Moment, da er die fruchtige Säure zuerst auf seiner Zunge spürte, aber dann legte sich ein sanftes Lächeln auf seine Lippen, gefolgt von einem ich will mehr davon Blick. Mara schob ihm ihr Stück Torte zu, „Falls du noch mehr haben möchtest!“.

„Aber du?“, doch er war viel zu sehr damit beschäftigt diese Torte zu essen und alles, was ihn ihm passierte, vollkommen auszukosten.

„Also, das Buch ist der Hammer. Ich habe noch nie so eine außergewöhnliche Handschrift gesehen. Leider konnte ich die Schrift nicht entziffern. Die Gesichter habe ich damit in Verbindung gebracht, dass diese Menschen Teil der Feuerblume gewesen sein mussten, so wie ich. Also nehme ich mal an, dass ich dann auch irgendwann mal darin erscheinen werde!“, ihre Worte waren mehr ein Flüstern.

„Gut kombiniert Kleines!“, er zwinkerte ihr zu, „Das mit der Schrift kriegst du auch noch raus. Es gab nicht viele, die hinter das Geheimnis gestiegen sind, aber es gab welche!“ und er grinste sie aufmunternd an.

„Da bin ich ja froh, dass ich nicht die Einzige bin, die etwas länger dazu braucht.“, Mara trank ihren Kaffee und sah, wie die Sonne und Wolken ein wundervolles Schattenspiel im Tal verursachten, „Sieh dir das an!“, sie zeigte aus dem Fenster.

Er blickte hinaus und ihm entging diese einzigartige Schönheit auch nicht, der See, welcher auf der einen Seite in das Sonnenlicht getaucht war und dadurch die Wasseroberfläche ins Funkeln und Glitzern geriet und die andere Seite mit Wolken überzogen war, so dass er tief und unergründlich wirkte. Er war froh, dass Mara sein neuer Boss war. Er hatte schon weit schlimmere gehabt. Sie war eine wunderschöne Frau, die ihm zu traurig, zu nachdenklich, zu verschlossen vorkam. Sie war jung, sie sollte ihr Leben genießen, sie sollte genau wie er diese Momente auskosten. Das hatte er immer getan, egal für wen er gearbeitet hatte. Es war nicht immer einfach die Menschen zu verstehen. Manche von ihnen wollten ihm Schmerzen zufügen oder wünschten ihm sogar den Tod, weil sie nicht verstanden, was das Geheimnis der Feuerblume tatsächlich bedeutete. Aber Mara, sie war ein ganz besonderer Mensch, den er vom ersten Augenblick in sein Herz geschlossen hatte. Er wusste, dass sie zu weit mehr fähig war, als sie sich momentan zustand. Sie würde die Feuerblume verändern, das wusste er, sie würde ihre wahre Schönheit wieder zum Vorschein bringen. Das hatte ihm sein Meister prophezeit und deshalb war sie ihm so wichtig!

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Mara und das Geheimnis der Feuerblume

Episode 8

Mara war erst in den frühen Morgenstunden nach Hause gekommen. Immer wieder kreisten ihre Gedanken zu den letzten Stunden, welche sie mit Marco Sanders verbracht hatte. Sie fühlte diese tiefe innere Zufriedenheit, endlich war sie mit sich im Reinen. Jahrelang hatte sie diesen Konflikt ausgetragen, eine Versagerin zu sein, schlechter als alle anderen zu sein. Eigentlich war es Jessica Baier, die genau diese Worte für sie übrig gehabt hatte. Aber irgendwann, oh ja, irgendwann zweifelte sie an sich und redete sich genau das ein, was andere über sie gesagt hatten und dann fühlte sie es ganz tief in sich drin. Sie war Mara Sommer, die Versagerin. Und dann kamen diese Alpträumen, jede Nacht zogen sie Mara in die Tiefe der Einsamkeit und Angst. Wenn sie schrie kam nachts niemand an ihr Bett und schenkte ihr tröstende Worte. Ihre Mutter verbrachte ihre Nächte bei ihren Liebhabern. Mara war alleine mit ihren drei Jahre jüngeren Bruder, der viel zu fest schlief, um etwas von ihren Panikattacken mitzubekommen. Es war eine schlimme Zeit für Mara gewesen, sie wusste, sie hätte Hilfe gebraucht. Die Scheidung ihrer Eltern, die ständigen verbalen Angriffe in der Schule waren für ein elfjähriges Mädchen nicht leicht zu verkraften. Sie gab sich die Schuld an der Scheidung ihrer Eltern, sie gab sich die Schuld für Jessica Baiers Worte und irgendwann ließ sie keine anderen Gedanken mehr zu, weil sie tatsächlich glaubte, dass sie eine Versagerin war. Sie bestand nur noch aus den Worten fremder Menschen, von denen sie gehasst wurde. Eigentlich kannte sie den wahren Grund nicht, weshalb man sie hasste. Aber Jessica Baier hatte diesen enormen Einfluss alle davon zu überzeugen, dass Mara eine Versagerin war und am Ende glaubte es Jeder. Ihr gesamtes Umfeld betrachtete Mara genau so, wie es mit Worten manipuliert worden war. Das war der Knackpunkt, die Menschen verloren ihre eigene Meinung, ihre eigenen Worte und am Ende verloren sie ihre eigene Sichtweise, weil sie merkten, dass es einfacher war, mit den Worten eines anderen zu reden!

Mara wusste, dass dies nicht die letzte Begegnung mit Marco Sanders gewesen war. Sie wusste aber auch, dass es ihr nur um ihren lang ersehnten Racheakt gegenüber Jessica Baier ging. Sie hatte nie gedacht, dass sie Sex mit einem Mann haben konnte, ohne jegliche Gefühle für ihn zu empfinden. Natürlich war Marco Sanders ein äußerst attraktiver Mann und somit ist ihr diese Begegnung weit leichter gefallen. Aber sie war kalt, sie war rational, sie war vollkommen emotionslos. So kannte sie sich definitiv nicht!

„Wo bist du gewesen?“, Ivonne war aus ihrem Auto gestiegen, als Mara auf ihr Haus zulief. Sie hatte das Auto von Tommy nicht bemerkt, welches am Straßenrand parkte. Mara erschrak, denn sie war so in ihren Gedanken vertieft gewesen, dass sie gar nicht damit gerechnet hatte, dass Ivonne hier plötzlich auftauchen würde. Ivonne sah vollkommen verheult aus. Neben ihr im Auto saß Tommy. Er schrieb gerade eine Nachricht auf seinem Handy.

„Was macht ihr hier?“, fragte Mara erstaunt.

„Wir haben uns Sorgen um dich gemacht!“, Ivonne sah Mara eindringlich an, „Du weißt es noch nicht?“.

„Was soll ich nicht wissen?“, Mara verstand die Frage nicht.

Tommy stieg aus dem Wagen, „Ich habe ihm gerade geschrieben. Er ist so froh, dass Mara nichts passiert ist!“.

„Wer ist froh? Und was ist hier eigentlich los?“, Mara hatte keine Ahnung von was Tommy da sprach.

Ivonne kam auf sie zu und umarmte sie ganz fest, „Es ist etwas ganz Schlimmes passiert und wir dachten, du hättest auch dieses schreckliche Zeug genommen und …“, Ivonne brachte kein Wort mehr über ihre Lippen, sondern begann ganz bitterlich zu weinen.

„Es geht um Xynthia!“, Tommy sprach sehr leise. Er sah Mara so eigenartig an und ihr wurde ganz flau im Magen.

„Sie … Xynthia  ist tot!“, Ivonnes Worte klangen wie ein Hilfeschrei und sie schluchzte laut auf. Sie hatte sich an Mara geklammert, als wäre sie ihr Rettungsanker. Doch Mara riss diese Nachricht genauso in die Tiefe. Die Worte drangen zu ihr vor, jedoch schienen sie so unwirklich zu sein. Mara hatte Xynthia noch vor einigen Stunden gesehen. Sie war in ihrer Wohnung gewesen, sie waren gemeinsam zu der Party gegangen und jetzt soll sie tot sein! Mara war vollkommen geschockt, ihr wurde schlecht, sie spürte, wie der Boden unter ihren Füßen ins Wanken geriet und dann war es vollkommen schwarz um sie herum.

Maras Kopf fühlte sich an, als wäre sie gegen die Wand gelaufen, er dröhnte und schmerzte zugleich. Sie stöhnte leicht auf, als sie ihre Augen öffnete. Es war dunkel, sie lag in ihrem Bett. Sie wusste nicht, wie sie in ihr Bett gekommen war. Hilfesuchend blickte sie sich um. Sie betätigte den Schalter ihrer Nachttischlampe, jedoch funktionierte diese mal wieder nicht. Mara richtete sich leicht auf, erst da bemerkte sie die Person, welche gegenüber von ihr auf einem Stuhl saß. Mara sah die Umrisse einer Person, ihre Augen mussten sich erst an die Dunkelheit gewöhnen. Sie schloss noch einmal ihre Augen und öffnete sie erneut.

„Tommy bist du das?“, ihre Stimme klang fürchterlich, es ähnelte eher einem Krächzen.

„Nein, Ivonne und Tommy sind vor zwei Stunden nach Hause gefahren. Ich habe gesagt, dass ich heute Nacht bei dir bleibe!“, er war aufgestanden und setzte sich zu Mara auf’s Bett. Es war die Feuerblume. Deshalb ging ihr Licht nicht.

Mara ließ sich zurück in ihr Kissen fallen, „Wie bin ich in mein Bett gekommen?“.

„Du bist umgekippt, Tommy hat dich gerade so aufgefangen. Ivonne und er haben dich anschließend ins Bett gebracht.“

Erst jetzt fiel Mara wieder ein, was passiert war, was Ivonne zu ihr gesagt hatte und sie spürte diesen Druck, welcher sich auf ihr Brustkorb legte, „Das mit Xynthia, das ist wahr? Ich meine, das stimmt, was Ivonne und Tommy gesagt haben?“, Mara suchte nach Worten, denn sie konnte das Wort – tot – nicht in den Mund nehmen, das alles erschien ihr so irreal. Besonders, weil sie gestern Abend noch mit Xynthia zusammen gewesen war.

„Ja es ist wahr!“, die Feuerblume setzte sich ganz nah zu Mara. Er legte seine Arme um sie und zog sie an sich. Mara weinte, ihre Tränen durchtränkten sein Shirt. Seine Hand streichelte ihr zur Beruhigung immer wieder über den Rücken. Sie konnte nichts anders, sie ließ die Tränen einfach laufen, all die Angst, ihre Panikattacken, ihre emotionales Zusammenbrüche und nun der Tod von Xynthia brachen aus ihr heraus. Es hatte sie vollkommen überrollt, sie konnte nicht mehr zurück, sie musste ihm die Wahrheit sagen.

Mara schob sich ein wenig von ihm weg, „Ich bin an Xynthias Tod Schuld!“.

„Du?“, sie hörte die entsetzte Tonlage in seiner Stimme.

„Ich habe mich nicht um sie gekümmert. Ich hätte nach ihr sehen sollen. Ich war so verdammt egoistisch und nun wirst du mich hassen für das, was ich getan habe!“, Maras Stimme schrie fast.

„Ich werde dich niemals hassen!“, er versuchte sie zu beruhigen und zog sie wieder in seine Arme, er wollte sie beschützen, er wollte, dass sie spürte, dass er für sie da war.

„Ich war bei Marco Sanders!“, sie sprach die Worte schnell, viel zu schnell, denn sie wollte es endlich loswerden. Sie spürte, wie er sich versteifte, wie seine Handbewegung plötzlich innehielt, wie er sich nicht mehr regte. Sie wartete darauf, dass er sie von sich stieß.

„Was hast du bei ihm gemacht?“, er fragte vorsichtig nach.

„Oh Gott, wie kann ich dir das erzählen, ohne dich zu verletzen. Ich … ich liebe dich und ich möchte dich nicht verlieren und …“

Er nahm sie erneut in seine Arme, „Pssssst mein Engel, ganz ruhig. Ich liebe dich doch auch, mehr als du dir vorstellen kannst. Du wirst mich niemals verlieren, das schwöre ich dir!“.

„Das sagst du so einfach!“, erneut wurde Mara von einer Heulattacke erfasst, sie schluckte schwer, „Ich hatte Sex mit Marco Sanders!“ und dann wie aus heiterem Himmel wurde ihr bei den Worten kotzschlecht und sie schob sich von ihm weg und rannte im Dunkeln ins Badezimmer. Sie spürte, wie sie zu würgen anfing, instinktiv riss sie den Klodeckel nach oben und sie hatte sich gerade nach vorn gebeugt, als sie ins Klobecken erbrach. Mara hatte das Gefühl, als wollte alles aus ihr heraus, der Würgereiz nahm kein Ende. Irgendwann richtete sie sich auf und ging leicht benommen zum Waschbecken, sie spülte sich immer wieder ihren Mund aus. Als sie ihren Mund abgetrocknete, erkannte sie ihn, wie er am Türrahmen lehnte und sie wohl die ganze Zeit schweigend beobachtet hatte. Sie ging auf ihn zu, „Du bist enttäuscht, nicht wahr?“, Mara stellte sich ihm gegenüber, „Lass es mich wenigstens erklären!“

„Was gibt es da zu erklären Mara, du hattest Sex mit Marco Sanders!“, seine Stimme klang so enttäuscht.

„Es ist nicht so, wie du denkst. Ich liebe dich, nur dich!“, Mara flehte ihn an, sie zu verstehen. Sie ging auf ihn zu, jedoch trat er einen Schritt zurück.

„Mara, ich rufe Ivonne an. Es ist besser, wenn sie heute Nacht kommt. Ich glaube nicht, dass ich jemals wieder zu dir kommen werde.“, er holte sein Handy aus der Tasche.

Mara schrie laut auf, „Unterstehe dich Ivonne anzurufen. Ich will sie nicht hier haben, hast du mich verstanden. Und wenn du mich nicht verstehen willst, oh Gott …“, sie brach erneut in Tränen aus, „Dann lass es einfach. Ich will mich nicht mehr erklären müssen, bei niemanden mehr. Geh!“, schrie sie, „Geh einfach und lass mich in Ruhe.“, sie sackte im Flur zusammen und biss sich auf ihre Hand, um nicht noch lauter schreien zu müssen. Sie hörte, wie die Tür ins Schloss knallte und sie wusste, sie hatte ihn für immer verloren.

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Mara und das Geheimnis der Feuerblume

Episode 7

Mara hatte ihr Auto geparkt, als sie durch die Autoscheibe Xynthia erkannte, welche ihr entgegenlief und über ihren Arm ein glitzerndes Etwas hielt. Sie winkte Mara überschwänglich zu.

„Womit habe ich die Ehre!“, Mara stieg aus ihrem Auto und sah neugierig zu ihr.

„Wir zwei gehen heute Abend auf eine Party!“, Xynthia drehte sich vor Mara im Kreis. Erst jetzt bemerkte sie, dass Xynthia ein kurzes, schwarzes Kleid trug, welches ihre langen Beine noch länger erscheinen ließ und durch den engen Schnitt ihr Busen so richtig zur Schau stellte. Ihre High Heels hatten solche spektakulären Mörderabsätze. Diese Frau wird heute Abend nicht lang allein sein, überlegte sich Mara beim Betrachten.

Sie hatte sich wohl verhört, „Was hast du gesagt?“. Sie schloss ihr Auto ab und lief zu ihrer Wohnung, gefolgt von Xynthia.

„Wir zwei gehen heute Abend auf eine Party!“, rief Xynthia überschwänglich hinter ihr.

Du gehst auf eine Party!“, Mara hatte sich kurz umgedreht und auf sie gezeigt, „Ich werde jetzt duschen und anschließend meinen Abend auf der Couch vorm Fernseher verbringen. Mir tut alles weh!“. Sie hat seit elf Uhr morgens Pizzen für Carlo ausgefahren. Um neunzehn Uhr kam dann endlich Giovanni um sie abzulösen. Es war ein harter Tag für Mara gewesen. Sie hatte sich seit Stunden so sehr nach ihrer Couch gesehnt und genau deshalb wird eine Xynthia Schneider sie heute Abend auf keine Party schleifen, „Nimm Ivonne mit!“, schlug sie ihr vor.

„Das geht nicht, außerdem hat Ivonne gemeint, ich werde mit dir dort hingehen !“

„Das hat Ivonne gemeint! Und wieso weiß Ivonne so genau, was ich will?“, Mara drehte sich erstaunt zu Xynthia um.

„Ich soll dir sagen, es wäre ein Auftrag und du wüsstest schon, was sie damit meint!“

„Ein Auftrag also!“, Mara sprach mehr zu sich selbst. Wenn sie an ihren letzten Auftrag im ‚Ricardos‘ dachte, da wollte sie gar nicht erst wissen, was sie heute Abend erwartete. Xynthia hatte nicht bemerkt, dass Mara an der Haustür stehen geblieben war, um in ihrem Briefkasten nach der Post zu schauen und rannte mit voller Wucht gegen sie.

„Pass doch auf!“, Mara sah sie böse an. Sie waren noch nie beste Freundinnen gewesen. Nur wegen Ivonne versuchte Mara mit ihr auszukommen. Ansonsten hatte sie mit dieser Frau absolut nichts am Hut. Schon gar nicht, weil Xynthia sich zu Jessica Baiers Freundeskreis zählte, das war für Mara ein absolutes No Go.

Maras Handy vibrierte in ihrer Hosentasche. Wer nervt jetzt noch? Sie zog es aus der Tasche und war sichtlich erstaunt.

Er: Hallo mein Engel würdest du mir heute Abend diesen großen Gefallen tun und mit Xynthia auf die Party gehen?  Die Frage endete mit einem Kusssmiley.

Es war eine Nachricht von der Feuerblume. Woher hatte er ihre Handynummer? Sie hatte die Wahl – ihn zu blockieren oder ihn zu ihren Kontakten hinzufügen. Sie wollte nicht auf diese bekloppte Party! Innerlich fluchte sie, aber sie konnte ihm diesen Gefallen auch nicht ausschlagen, schließlich war er ihr Boss und welcher Boss nannte sie schon Engel. Mein Engel! Ja, das hörte sich nach einer Fastbeziehung an, mein Engel. Mara fügte ihn zu ihren Kontakten hinzu, währenddessen sie die Treppenstufen zu ihrer Wohnung hochging.

Sie: Woher hast du meine Nummer???

„Ich tue es, aber nicht für Ivonne und auch nicht für dich!“, Maras Blick sprach Bände, so böse schaute sie Xynthia an.

„Für wen dann, wenn ich fragen darf?“

„Darfst du nicht!“, Mara hatte die Wohnungstür aufgeschlossen.

Er: Das soll mein Geheimnis bleiben!

„Was soll ich bitteschön anziehen?“, Mara blickte erwartungsvoll zu Xynthia.

Sie: Ich hasse Geheimnisse!

„Tada!“, sie hob das glitzerndes Etwas vor sich. Es war ein silbernes Minikleid.

Er: Ich liebe Geheimnisse! Und unser Geheimnis ist das Schönste mein Engel!

„Da sehe ich ja aus wie eine Discokugel!“, Mara hielt sich die Augen zu.

Sie: Fragt sich nur wie lange?

„Discokugel bist du des Wahnsinns. Dieser Fetzen hat mich schlappe fünfhundert Mäuse gekostet und du erzählst mir, du siehst darin aus wie eine Discokugel!“, Xynthia war sichtlich eingeschnappt.

Er: Solange du es für dich behältst! Herzsmiley Außerdem vermisse ich dich mein Engel!

„Ich gehe jetzt duschen und dann probiere ich deinen teuren Fetzen an und wehe … ach lass es gut sein!“, Mara sparte sich weitere Worte, „In der Küche ist Wasser oder was auch immer du trinken willst, bediene dich einfach!“.

Sie: Hört sich fantastisch an, ich vermisse dich auch, sehr sogar! Diesmal wagte Mara einen Kusssmiley.

„Mache ich! Gehe du duschen und ich mache es mir gemütlich!“, Xynthia schien sich bereits in ihrer Küche zu bedienen.

Diese Frau war doch echt der Knaller! Sie verstand Ivonne nicht, wie sie mit dieser aufgedrehten Person befreundet sein konnte! Xynthia halt, eine Frau die nie erwachsen wurde und das Leben in vollen Zügen genoss! Sie musste sich schließlich auch keinerlei Gedanken machen. Ihr Vater war der Inhaber von ‚Brucks & Maier‘. Es war ein Familienunternehmen, welches bereits in der vierten Generation bestand. Sie stellten Designermöbel her. Ihre Möbel waren weltweit gefragt. Sie wussten halt, wie man Geschäfte machte. Und Xynthia wusste, wie man das Geld ausgab und ihre drei Schwestern und ihre Mutter auch.

Er: Gehst du zur Party?

Mara kam aus der Dusche und schnappte sich ihr Handy. Typisch Mann! Erst mit schmalzigen Worten die Frau einlullen und dann gleich zum Geschäftlichen kommen.

Sie: Ja!!!

Kaum zwei Sekunden später kam die Antwort.

Er: Danke mein Engel! Ich wusste, ich kann mich auf dich verlassen. Falls du morgen Abend noch kein Date hast, würde ich gern zu dir kommen!

Das kann dir so passen! Erst die Arbeit und dann das Vergnügen. Mara hatte ihn durchschaut!

Sie: Morgen Abend … muss ich mir nochmal überlegen. Schreibe ich dir dann morgen!

Lasse nie einen Mann zu schnell spüren, dass du etwas von ihm willst, das hatte ihre Mutter mal zu Mara gesagt. Sie fand die Ratschläge ihrer Mutter einfach nur dämlich, weil sie noch immer keine feste Beziehung hatte. Aber heute befolgte sie ihn dann doch. Sie ignorierte seine Nachrichten und machte sich für die bevorstehende Party fertig.

„Zu welcher Party gehen wir überhaupt?“, Mara lief neben Xynthia die Treppenstufen zu einer sagenhaften Villa im viktorianischen Stil hinauf. „Die Villa ist der Hammer!“, sie kam nicht mehr aus dem Staunen heraus.

„Ach ja habe ich ganz vergessen zu sagen. Marco Sanders, ihm gehört auch die Villa!“

„Der Marco Sanders!“, Mara war ganz erstaunt, „Der lässt mich doch niemals zu seiner Party!“.

„Mit Begleitperson Schätzchen!“,  Xynthia hielt ihr die Einladung entgegen.

„Da bin ich echt mal gespannt!“, Mara hörte bereits die laute Musik und die tiefen Bässe, die aus der Villa drangen.

„Da ist schon voll was los!“, Xynthia hielt dem Security ihre Einladung entgegen, „Sie ist meine Begleitperson!“, dieser öffnete ihr wortlos die Tür.

Mara sah Menschen über Menschen im Haus. In der Eingangshalle, auf der Treppe, in den dahinterliegenden Räumen. Laute Musik dröhnte durch die Räume, dass man sich kaum unterhalten konnte. Lichteffekte veränderten immer wieder ihre Farben und tauchten die Räume und Menschen in ein spektakuläres Lichtspiel. Es war der Hammer! Mara war noch nie zu so einer Party eingeladen worden.

„Xynthia!“, Mara hörte eine Stimme hinter sich vor Freude aufkreischen. Als sie die Person erblickte, wäre sie am liebsten wieder gegangen. Es war Samantha, die beste Freundin von Jessica Baier.

Samantha umarmte Xynthia und erblickte Mara, „Was macht sie hier?“, fragte sie erstaunt.

„Sie ist meine Begleitperson!“, Xynthia stellte sich neben Mara und hakte sich bei ihr unter.

„Cooles Kleid!“, Samantha gab Mara die Hand.

„Siehst du, doch keine Discokugel!“, flüsterte Xynthia Mara ins Ohr, während sie Samantha folgten.

Jetzt sollte es spannend werden! Mara hatte Jessica entdeckt und sie anscheinend auch Mara. Nach ihrem Blick zu urteilen, mit welchem sie auf Mara zukam, musste es so sein.

„Was macht sie hier?“, Jessica baute sich vor Mara auf.

„Mara ist meine Begleitperson!“, Xynthia umarmte Jessica, als wären sie beste Freundinnen.

„Das ist jetzt echt nicht dein Ernst!“, Jessica sah Xynthia extrem sauer an.

„Doch mein voller Ernst!“, Xynthia jedoch ließ sich nicht beirren.

„Hey Schatz, wer sind diese hübschen Ladys? Oh hallo Xynthia schön dich zu sehen!“, er umarmte Xynthia und drehte sich anschließend zu Mara, „Hallo schöne Frau!“ Dieser Mann war groß gewachsen, hatte seinen langen, braunen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden und trug einen Dreitagebart. Seine grünen Augen betrachteten Mara voller Neugier. Er reichte ihr seine Hand, „Marco Sanders!“.

„Mara Sommer!“, seine Hand hielt noch immer ihre fest. Sein Blick verweilte viel zu lange auf ihr und das bemerkte Jessica sofort und somit schob sie sich zwischen die Beiden.

„Schatz wir müssen noch mehr Gäste begrüßen!“, Jessica warf Mara einen bitterbösen Blick zu.

„Genießen Sie meine Party Mara. Übrigens das Kleid ist der Hammer, sie sehen umwerfend aus!“ und schon wurde er von Jessica weggezogen.

„Discokugel!“, Xynthia sah Mara breit grinsend an und zog sie zu einer Bar.

Mara hatte noch nie so viele Cocktails getrunken, wie an diesem Abend, sie fühlte sich, als würde sie schweben. Die Cocktails hatten es in sich, die Musik war nicht immer ihr Geschmack, aber es ließ sich ganz gut bei der Musik tanzen und sie wurde reihenweise von irgendwelchen Typen angequatscht. Und die Nachrichten auf ihrem Handy wurden auch nicht weniger, obwohl sie sie ignorierte.

„Hallo schöne Frau!“, Marco Sanders hatte Mara abgepasst, als sie von der Toilette kam. „Ich bin mir nicht sicher, aber wir kennen uns irgendwoher. Diese blonden Locken und grünen Augen sind nicht zu übersehen!“ Er drängte Mara an die Wand, seine Finger spielten mit ihren Locken. Seine Lippen hingen an ihrem Hals, „Wir müssen uns unbedingt treffen!“, flüsterte er in ihr Ohr. Seine Hand glitt zu ihrem Hals hinab, verweilte einen Moment am Ausschnitt ihres Kleides und umkreiste ihren Busen, „Du bist ein Traum von einer Frau, das weißt du!“, seine Hand strich über ihren Bauch und umfasste ihre Hüfte. Er zog sie eng an sich heran und blickte ihr dabei tief in die Augen. Sein Kopf senkte sich zu ihr. Mara musste es tun, nicht, weil sie es gewollt hätte, sondern weil sie es Jessica Baier heimzahlen wollte. Sie schob sich ihm entgegen, ihre Lippen trafen voller Gier auf seine. Ihre Hand schob sich in seinen Nacken, er beugte sich ihr noch weiter entgegen. Sie öffnete ihren Mund und glitt mit ihrer Zunge über seine Lippen. Es gefiel ihm. Er brauchte nicht lange, um zu wissen, was sie wollte. Dieser Kuss hatte es in sich, er war heiß und voller Begehren. Mara schob ihr Bein nach vorn, sie wollte ihm zeigen, dass sie gewillt war. Seine Erregung war unmittelbar zu spüren. Ihre Zungen tanzten miteinander. Seine Hände gaben ihr Halt und sie genoss es, oh ja sie genoss es, den Mann von Jessica Baier zu verführen.

„Ich fasse es nicht!“, hinter Marco Sanders schimpfte eine Frau laut auf, er jedoch ließ sich nicht beirren und küsste mit voller Hingabe Mara weiterhin. Mara kannte die Stimme, es war Samantha gewesen. Jetzt war es nur noch eine Frage der Zeit, wann Jessica hier auftauchen würde. Allzu ungern löste sie sich von ihm.

„Oh ja, wir sollten uns unbedingt treffen!“, Mara war etwas benommen und lächelte Marco Sanders an.

„Das werden wir!“, er zwinkerte ihr zu, „Jo!“, Marco Sanders hatte sich etwas von Mara entfernt. „Gib mir mal einen Stift. Die sagenhafte Lady hier braucht unbedingt meine Nummer!“ Jo reicht ihm einen Kugelschreiber. Er schob den Träger von Maras Kleid etwas herunter und legte so den Ansatz ihres Busens etwas frei. Er begann auf ihrer Haut seine Telefonnummer zu schreiben. Mara war erstaunt auf welche Gedanken dieser Mann kam. Aber so konnte sie tatsächlich seine Nummer nicht verlieren. Marco beugte sich erneut vor und küsste Mara mitten auf den Mund, „Du rufst mich an, du sagenhafte Frau!“ und er schob Maras Träger wieder zurecht.

„Hier bist du mein Schatz!“, Jessica trat neben Marco Sanders und zeigte Mara ganz offensichtlich, dass dieser Mann ihr gehörte. Sie küsste ihn, nein, sie leckte ihn ab. Mara grinste in sich hinein. Die Frau hatte es doch echt nötig. Samantha hatte ganze Arbeit geleistet!

„Ich gehe mal Xynthia suchen!“, Mara sah zu den Beiden. Marco zwinkerte ihr zu, Jessica ignorierte sie, aber das war sie ja schließlich gewöhnt.

Mara konnte Xynthia nirgendwo finden. Als die meisten Gäste bereits gegangen waren lief ihr Samantha über den Weg, „Hast du Xynthia gesehen?“.

„Die ist oben, ich glaube, die war da mit irgendeinen Typen!“, Samantha zeigte die Treppe hoch, „Mara, es wäre nicht so gut, wenn du was mit Marco anfangen würdest, da versteht Jessi echt keinen Spaß. Ich habe ihr von euch nichts erzählt. Sie hätte dich hier hochkant rausgeschmissen. Lass die Finger von Marco, gut gemeinter Rat von mir!“, Samantha lächelte Mara vorsichtig an.

„Danke für den Rat!“, Mara hätte wetten können, dass Samantha Jessica erzählt hatte, dass Marco Sanders und sie etwas zu weit gegangen waren, aber anscheinend hatte sie sich in dieser Frau geirrt. Und jetzt bekam Mara erst richtig Lust Jessica Baiers Freund den Kopf zu verdrehen.

Mara ging nach oben, kannte sich eigentlich nicht im Haus von Marco Sanders aus, aber sie wollte Xynthia unter keinen Umständen hier allein zurücklassen.

„Da bist du ja, ich habe dich schon überall gesucht!“, Mara drehte sich um, hinter ihr stand Marco Sanders. Er kam auf sie zu, legte seine Arm um sie und dirigierte sie zu einer geschlossenen Tür. Er drehte sich noch einmal um, so, als wollte er sich vergewissern, dass niemand sah, wie er und Mara in den Raum gingen. Hinter sich schloss er die Tür ab. Es war ein Zimmer, in welchem es keine Tapete, sondern nur Spiegel gab. In der Mitte des Raumes stand ein riesiges Bett oder sollte man eher Spielwiese dazu sagen. Mara hatte so etwas noch nie mit eigenen Augen gesehen. Marco Sanders stand hinter ihr und schob die Träger ihres Kleides über ihre Schulter, das Kleid rutschte wie von selbst auf den Boden. Mara trug nur noch ihren winzigen schwarzen Tanga und einen minimalistischen Busenhalter. Er ging um sie herum und betrachtete sie ausgiebig.

„Du gefällst mir!“

Mara trat auf ihn zu. Ihre Finger glitten über seine Lippen, sanft biss er in ihren Zeigefinger. Ihre Hand suchte seinen Weg hinab zu seinem Hemd, nach und nach knöpfte sie sein Hemd auf. Ihr Blick war von seinen grünen Augen gefangen. Sie streifte ihm das Hemd ab und trat ihm entgegen. Ihre Hände berührten voller Begehren seine nackte Haut, ihre Lippen forderten ihn heraus. Zügellos und voller Verlangen trafen sich ihre Zungen. Sie wollte heiß, begehrenswert und verführerisch sein. Sie wollte, dass dieser Mann den Namen Jessica Baier vergaß und nur noch sie in seinem Kopf hatte. Sie war so rachsüchtig! Oh ja, sie wollte es Jessica Baier heimzahlen! Sie löste sich von seinen Lippen und betrachtete ihn voller Lust. Sein nackter Oberkörper war vollkommen durchtrainiert und von der Sonne gebräunt. Sie beugte sich nach vorn und ihre Lippen glitten von seinem Hals hinunter zu seiner Brust, erreichten seinen Bauch und saugten sich fest in seinen Bauchnabel. Mit ihren Händen öffnete sie seine Hose. Sie spürte seine Erregung und rieb etwas fester mit ihrer Hand darüber. Mara bemerkte diese unbändigen Drang in sich aufsteigen diesen Mann zu kontrollieren. Er stand vollkommen nackt vor ihr. Sie genoss seinen Anblick. Sie gab ihn einen letzten leidenschaftlichen Kuss, dann kniete sie sich vor ihn. Ihr Mund nahm seine Erregung auf und sein hemmungsloses Stöhnen durchdrang den Raum.

Mara wusste nicht wie lange sie in diesem Raum mit Marco Sanders gewesen war. Sie hatte ihn vollkommen unter Kontrolle gehabt und das gefiel ihr. So kannte sie sich nicht, als die begehrenswerte Frau, die einen Mann verführte. Diese Spiegel hatten sie vollkommen verändert. Mara wusste, dass dies erst der Anfang war! Die Vergeltung für all die Demütigungen von Jessica Baier hatte soeben begonnen!

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Mara und das Geheimnis der Feuerblume

Épisode 5

Sie brauchen ein Date! Heute Abend um 18.00 Uhr im Ricardos.

Mara hielt die Nachricht von der Feuerblume in ihrer Hand und war vollkommen durcheinander. Ein Date mit ihm! Natürlich wusste sie nicht, ob er ein er war. Aber Tommy hatte sich einmal verplappert und da war sie sich zu neunundneunzig Prozent sicher, dass die Feuerblume ein Mann sein musste, auch wenn Tommy es seitdem vehement abstreitet. Zwei Jahre kannte sie bereits die Feuerblume und hatte noch nie näheren Kontakt zu ihm gehabt.

Mara musste sofort ihren Kleiderschrank checken, schließlich musste sie gut aussehen, nein, sie musste umwerfend aussehen. Geschlagene zwei Stunden hatte sie gebraucht, bis sie mit sich zufrieden war. Sie wusste, dass das ‚Ricardos‘ eines der teuersten Restaurants der Stadt war. Dort einen Platz zu bekommen war mehr als schwierig. Entweder man kannte dort jemanden oder man gehörte zur Elite der Stadt. Mara hatte weder Beziehungen zu den Angestellten des Restaurants, noch war sie reich.

Sie blickte auf ihre Uhr. Sie hatte noch genügend Zeit, um vor ihm im Restaurant zu sein. Da sie nicht wusste, wie dieser Abend ausgehen würde, also wenn die Frage kam – Zu dir oder zu mir? – da rief sie sich dann doch lieber ein Taxi. Zehn Minuten vor achtzehn Uhr betrat sie das ‚Ricardos‘. Nun spürte sie, wie nervös sie eigentlich war. Die ganze Zeit war sie damit beschäftigt gewesen ihren Kleiderschrank zu durchsuchen, zu duschen, ihre Haare zu stylen, sich zu schminken und sich letztlich in ihr spektakuläres Kleid zu zwängen.

Die Dame am Empfang sah sie freundlich an. „Ich habe um achtzehn Uhr eine Verabredung!“ Sie schaute in ihr Buch, „Frau Sommer?“ und nannte oder fragte vielmehr nach ihren Namen.

„Ja, das bin ich, Mara Sommer!“, Mara war total aufgeregt. Sie konnte kaum ruhig stehen. Ihre Finger öffneten und schlossen schon während der Taxifahrt ständig ihre Clutch.

„Kommen Sie bitte mit. Ihre Verabredung ist noch nicht da. Ich hoffe, das stört sie nicht?“ Sie brachte Mara an einen Tisch für zwei Personen. Mara überlegte, auf welche Seite sie sich lieber hinsetzen sollte. Im Rücken zu den Leuten und sich nur auf ihn konzentrieren oder doch eher in den Raum blickend. Die Dame vom Empfang hatte bereits einen Stuhl nach hinten geschoben und so Maras Überlegungen ein schnelles Ende gesetzt, mit dem Rücken zu den Leuten. „Darf ich Ihnen schon etwas zu Trinken bringen?“

Mara überlegte einen kurzen Moment, „Ich warte lieber auf meine Begleitung!“ Die Dame vom Empfang nickte ihr zu und entfernte sich wieder.

Mara hätte schon gern etwas Stärkeres bestellt, damit sie ihre Angst oder doch eher ihre Aufregung wegtrinken konnte. Aber sie wollte sich bei ihrem ersten Date ganz sicher nicht blamieren. Das Restaurant füllte sich nach und nach. Direkt neben Mara setzten sich zwei Pärchen. Sie schienen eng befreundet zu sein. Die Männer redeten über ihren Arbeitstag, die Frauen über ihren momentanen Erschöpfungszustand. Man, man, man, dachte sich Mara, die Frauen hatten vielleicht Probleme. Sie war schließlich alles andere als erschöpft, sie hatte Adrenalin pur in sich, so sehr machte sie sich vor Angst in die Hose.

„Tut mir leid, dass ich zu spät bin!“

Mara blickte sich um, eigentlich hätte sie sich nicht einmal umblicken müssen, denn die Stimme kam ihr mehr als bekannt vor. Es war Tommy!

Mara wollte schon aufspringen, da legte er ihr seine Hand auf die Schultern, „Alles ist gut. Es ist ein Auftrag Mara!“.

Ein Auftrag! Mara schossen hunderte von Schimpfwörter durch den Kopf. Sie war wütend! Sie war fassungslos! Sie war entsetzt! Ein Auftrag! Und sie hatte stundenlang gebraucht, um sich zurechtzumachen. Hätte sie gewusst, dass es ein Auftrag ist, wäre sie in Jogginghose gekommen.

„Mara bleib bitte ruhig!“, Tommy sah es Mara an, sie war kurz vorm Explodieren.

„Was darf ich Ihnen zu Trinken bringen?“, die Kellnerin war an ihren Tisch getreten.

„Einen Whisky!“, Maras Entschluss stand fest.

„Wir haben verschiedene Whiskysorten!“, die Kellnerin wollte ihr gerade alle Whiskysorten des Hauses aufzählen.

„Egal, Hauptsache stark!“, Mara schnitt ihr das Wort ab.

„Für mich ein Pils bitte!“, sagte Tommy, „Und für die Dame ein eher nicht so starken Whisky!“, fügte er hinzu.

„Das habe ich gehört Tommy!“, Mara sah ihn böse an.

Die Kellnerin entfernte sich von ihrem Tisch. Neben den beiden ging es bereits hoch her. Es wurde laut gelacht und die Witze, die die Herren erzählten, waren nicht für die Ohren der anwesenden Gäste geeignet.

„Warum hast du es mir nicht gesagt?“, Mara hätte heulen können.

„Ich musste es ihm hoch und heilig versprechen.“, Tommy beugte sich ein wenig nach vorn und begann zu flüstern, „Der Tisch neben uns, das sind die Personen, die wir beobachten sollen. Falls wir etwas Auffälliges bemerken, sollen wir ihm Bescheid geben, damit die Polizei rechtzeitig informiert wird!“.

„Bescheid!“, sagte Mara trotzig.

„Ach Mara jetzt sei doch nicht sauer!“, Tommy sah sie an und versucht sie zu beruhigen.

Doch Mara ließ ihm keinerlei Chance dazu, „Du kannst dieser dämlichen Feuerblume Bescheid geben, dass sie mir mal kreuzweise den Buckel runterrutschen kann oder noch besser am Arsch vorbei geht.“, wütend sprang Mara auf, „Wo ist hier das Klo?“.

Die Kellnerin stand direkt hinter ihr, „Die Toiletten befinden sich dort drüben, Treppe hinunter, erste Tür rechts!“.

Mara war zu wütend, um sich bei ihr zu bedanken. Sie stampfte davon. Im Klo schloss sie sich ein und wusste nicht, ob sie heulen sollte, dann war aber ihr schönes Make up vollkommen ruiniert. Nicht mal das konnte sie in diesem Laden! Sie musste perfekt aussehen, für ein perfektes Date, mit einem perfekten Mann. Sie könnte kotzen. Ein Auftrag! Was hätte es auch anderes sein sollen, als ein Auftrag.

Im Klo, dass heißt, direkt vor ihrem Klo wurde es ziemlich laut. Ein Gekicher und Gegacker. Mara hielt sich die Ohren zu, damit sie wenigstens ihr kleines Geschäft in Ruhe verrichten konnte. Nachdem sie ihr enges Kleid versucht hatte halbwegs wieder glatt nach unten zu ziehen verließ sie die Toilette. Draußen standen die zwei Frauen vom Nachbartisch. Sie hatten Mara gar nicht bemerkt.

Eine der Damen hielt eine Tüte mit roten Tabletten in ihrer Hand, „Nimm, die werden dir gut tun!“. Sie hielt der Frau die Tüte hin, als wären es Schokobonbons. Mara traute ihren Augen kaum. Sie nahm eine Tablette. „Musst zwei nehmen, da ist die Wirkung noch explosiver!“, tatsächlich sie griff noch einmal zu.

Mara ging einen Schritt zurück, schob leise die Tür wieder von innen zu. Erneut drückte sie auf die Toilettenspülung. Laut hustend trat sie aus der Toilette. Nun endlich hatten die Frauen Mara bemerkt. Die Frau mit den Tabletten in der Hand, schob diese unbemerkt, naja alles andere als unbemerkt in ihre Handtasche zurück. Die andere Frau, die soeben noch unter dem Wasserhahn gehangen war, hob blitzartig ihren Kopf und erkundigte sich nach ihrer Frisur.

„Sieht gut aus!“, sagte Mara zu ihr.

„Meinen Sie wirklich?“, sie prüfte erneut, ob alle Strähnen ihres Bobs richtig lagen.

„Die Haare liegen perfekt!“, Mara hatte sich neben die Frau gestellt und wusch ihre Hände. Bevor sie zur Tür ging, drehte sie sich noch einmal um, „Schönen Abend wünsche ich Ihnen!“. Sie öffnete die Tür und hörte noch, „Das ist eine sehr nette Person!“.

Wenn die wüssten, wie nett ich bin, dachte sich Mara und ging mit eiligen Schritten auf ihren Tisch zu. „Du kannst Mister Vollpfosten anbimmeln, die Damen haben sich soeben auf dem Klo zugedröhnt. Die Menge, die sie in ihre Tasche hat, reicht für uns alle hier!“, zischte Mara über den Tisch. Sie nahm den Whisky, „Prost!“.

Tommy funkelte sie böse an und schüttelte seinen Kopf.

„Was ist?“, Mara blickte Tommy unschuldig an.

„Unterstehe dich, dass du dich hier volllaufen lässt!“

„Und wenn, die Rechnung bezahlt doch so und so dein bester Freund!“

„Unser bester Freund!“, Tommy verpasste Mara einen leichten Tritt unter dem Tisch. „Autsch!“

In diesem Moment kamen die zwei Frauen vollkommen relaxt oder doch eher vollkommen high zurück an den Nachbartisch. Mara war so angewidert. Sie verstand die Leute nicht, die dieses Zeug nahmen. Sie wussten wohl nicht, wie sehr sie damit ihren Körper schadeten, nur um einmal gut drauf zu sein. Ganz ehrlich da trinkt Mara lieber noch einen Whisky. Die Bestellung wurde gebracht, obwohl Mara nichts bestellt hatte. Sie sah erstaunt zu Tommy, der schien aber genauso überrascht zu sein. „Mit bester Empfehlung und einen angenehmen Abend soll ich Ihnen ausrichten!“, die Kellnerin begutachtete noch einmal alle Teller und Schüsseln, welche sie gerade auf den Tisch gestellt hatte. Auf dem Tisch stapelten sich die Teller und Schüsseln mit dem leckersten Essen. Mara musste zugeben, so schlecht war ihr Boss dann doch nicht, er wusste, wie man Leib und Seele glücklich machte, „Lass uns essen, wenn schon kein Date, dann wenigstens richtig gutes Essen!“.

Das Essen wurde durch das Eintreffen der Polizei gestört, aber Mara ließ sich nicht beirren. Sie starrte nicht, wie die anderen Gäste zu den zwei Pärchen, die mit Handschellen abgeführt wurden. „Ich bin zwar voll, aber auf das Dessert verzichte ich ganz sicher nicht!“, Mara hätte platzen können, aber nach diesem Tag war es ihr egal, mit wie vielen Pfunden mehr sie nach Hause kam und in ihr Bett fiel.

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Mara und das Geheimnis der Feuerblume

Episode 4

Wir begeben uns zehn Jahre zurück. Alexander Kilian gehörte zu den ersten Mitarbeitern von Interforce Consulting. Gründer dieser Firma sind Benjamin Steinhold und Oliver Brecht. Wenn wir uns weitere sechs Jahre zurückbegeben, fügen wir eine weitere Person hinzu – Sebastian Moor. Alle drei kannten sich bereits seit ihrer Schulzeit und waren stets eng miteinander befreundet gewesen. Ganz gewiss hatten die drei Jungs eine überschäumende Fantasie und sie schmiedeten gemeinsame Pläne ihre Stadt zu verändern. Benjamin Steinhold war das Zahlengenie. Er war wie sein Vater der geborene Kaufmann. Alle Geschäfte, welche er bisher bei Interforce Consulting getätigt hatte fuhren beträchtliche Gewinne ein. Oliver Brecht war der Computernerd. Er hatte bereits mit dreizehn alle Passwörter des Computersystems der Schule geknackt. Und Sebastian Moor war die Überzeugungskraft in die Wiege gelegt worden. Er hatte das Talent Menschen mit seinen Visionen zu begeistern, Menschen für seine Vorhaben zu gewinnen. Jedoch gab es nur zwei Gründer bei Interforce Consulting. Sebastian Moor ließ sich gerne inspirieren und hatte sich letztendlich gegen das Projekt seiner Freunde entschieden. Es gab weit größere Pläne, die vor ihm lagen – das Industriegebiet Sanders & Moor. Marco Sanders war der Sohn des damaligen Bürgermeisters, er hatte schnell erkannt welche Begabungen in Sebastian Moor steckten. Hier trennten sich die Wege der drei ehemals besten Freunde.

Alexander Kilian war in der Forschungsabteilung von Interforce Consulting tätig. Interforce Consulting gehörte zu den führenden Anbietern der Kosmetikbranche. Ihr meistverkauftes Produkt war ein Serum, welches der Zellerneuerung diente. Alexander Kilian war ein sehr gewissenhafter Mitarbeiter, bislang hatte er nie Fragen zu Veränderungen oder Neuerungen gestellt. Jedoch zweifelte er an den neuen Wirkstoff, den Benjamin Steinhold bei seiner letzten Teambesprechnung erwähnte. Er recherchierte nach diesem Derotrexin, welches Benjamin Steinhold als die Neuentdeckung auf dem Markt angepriesen hat. Dieser Wirkstoff würde die Zellerneuerung um bis zu fünfzig Prozent beschleunigen. Wenn Interforce Consulting diesen Wirkstoff ihrem bisherigen Serum hinzufügen würde, dann würden die Verkaufszahlen des neuen Serums in die Höhe schießen. Alexander Kilian konnte jedoch keinerlei Daten oder Zusammensetzungen darüber finden. Zwei Wochen später wurde dieses Derotrexin in einer großen Menge angeliefert. Es war ein hellbraunes Pulver, welches in winzigen Tütchen verpackt war. Alexander Kilian wollte das Pulver sogleich in seinem Labor untersuchen und hatte ganz ausversehen eines der Tütchen in seinem Laborkittel verschwinden lassen. Zwei Tage später war er tot und das gesamte Derotrexin war wie vom Erdboden verschluckt. Nun lag die ganze Hoffnung in der Akte, welche Mara Sommer aus dem Safe von Dr. Barner entwendet hatte. An diesem Abend gab es noch jede Menge Pizzen von Pizza Carlo auf dem Polizeirevier. Und irgendwie, auf ganz mysteriöse Weise ist die Akte von Alexander Kilian auf dem Schreibtisch des Dienststellenleiters gelandet.

Eine Woche später stand es in den Zeitungen:

Die Firma Interforce Consulting muss sich für den Tod an Alexander Kilian verantworten! Die Polizei geht neuen Hinweisen nach. Aus ermittlungstechnischen Gründen können keine weiteren Angaben gemacht werden!

Es hätte nicht besser laufen können für Mara, glücklich und mehr als zufrieden blätterte sie die Zeitung wieder zu und legte sie auf den großen Stapel alter Zeitungen.

Bevor Mara zu Plan B übergehen konnte, musste im Vorfeld noch einiges getan werden. Sie brauchte mehrere Tage, um herauszufinden, wo sich diese Akte genau befand. Anschließend hackte sie sich in die Überwachungskameras der Firma Interforce Consulting und beobachtete diesen Dr. Barner und seine Assistentin. Sie ging noch einen Stück weiter und folgte den Beiden in der Mittagspause. Nach drei Tagen hatte sie herausgefunden, dass sie immer zu selben Zeit, das selbe Restaurant aufsuchten. Abwechslung stand wohl nicht so hoch im Kurs bei Dr. Barner und Frau Mittelstedt. Aber ihr sollte es Recht sein, denn so konnte sie diese eine Stunde nutzen, um die Akte aus dem Safe im achtundfünfzigsten Stock zu holen. Ein Tag vor der Umsetzung ihres Plan B’s stellte sie sich mit einer riesigen Menge an Flyern von Pizza Carlo vor das Bürogebäude von Interforce Consulting. Sie verteilte an jede Person, welche das Gebäude verließ, einen Flyer. Sie hatte nicht mit so einer großen Menge Pizzen gerechnet, die bei Pizza Carlo bestellt worden waren. Am Ende des Tages verzeichnete Carlo achtundachtzig Pizzen, die von den Mitarbeitern von Interforce Consulting bestellt worden waren. Ihr Plan war aufgegangen und das machte Mara noch weit glücklicher. Sie hatte Carlo neue Kundschaft verschafft und sie hatte gleichzeitig Zutritt zum Bürogebäude von Interforce Consulting gehabt. Was wollte sie mehr und am Ende hatte sie sogar die Akte von Alexander Kilian in der Hand. Tommy hatte am Abend zu ihr gesagt, er wusste schon immer, dass er sich zu hundert Prozent auf Mara verlassen kon

nte.

Mara war glücklich und das war etwas ganz Besonderes, denn sie hatte die letzten Jahre das Glück mehr gesucht, als gepachtet. Es wurmte sie noch immer, als sie Jessica Baier gegenüberstand. Aber sie wusste schon immer, dass sie eine blöde Kuh war und dass sie sich wohl niemals ändern würde. Zu gern hätte sie gewusst mit wem sie zusammen war. Tommy wusste es, aber wollte es ihr nicht verraten. Irgendwann würde es Mara schon herausbekommen. Und zum Thema Versagerin, oh ja Mara war tatsächlich eine Versagerin, aber es störte sie kaum noch. Es gab Zeiten in ihrem Leben, da ist sie an dieser Vorstellung zugrunde gegangen, aber mittlerweile hatte sie sich mit dem Zustand ‚Mara Sommer die Versagerin‘ abgefunden. Wenn sie tatsächlich so eine Niete war, wie es Jessica Baier behauptete, wieso war sie dann Teil der Feuerblume und hatte bereits ihren vierten Fall mit Erfolg gelöst. Es war ein geheimes Abkommen, über welches sie niemals reden durfte, das hatte sie Tommy hoch und heilig versprochen. Aber manchmal wurmte es sie gewaltig, dass sie den anderen da draußen nicht auch zeigen durfte, dass etwas in ihr steckte. Mara sollte tatsächlich mehr nach vorn schauen, als immer nur zurück, dann würde das mit ihren Träumen auch weit besser funktionieren!

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