Mara und das Geheimnis der Feuerblume

Episode 12

Es geht nicht darum besser zu sein, es geht darum anders zu sein!

Mara blickte sich im Spiegel an und fand, dass sie vollkommen übermüdet aussah. Der Tag mit ihrem Gefährten hatte ihr gut getan. Jedoch die Trauerfeier von Xynthia hatte sie vollkommen fertig gemacht. Letztlich war es ihr wichtig, dass sie herausfinden musste, warum Xynthia sterben musste. Weder Tommy noch Ivonne könnten ihr helfen. Also musste sie umdenken, sie war jetzt der Boss, laut ihrem Gefährten, also musste sie Entscheidungen treffen. Nur welche Entscheidungen?

Mit der Zahnbürste im Mund rannte sie durch die Wohnung und versuchte zu ein paar brauchbaren Gedanken zu gelangen. Nichts! Ihr Kopf fühlte sich vollkommen leer an. Wie sollte sie hinter das Geheimnis der Feuerblume kommen, wenn sie es nicht einmal schaffte ansatzweise wie ein Boss zu denken. Als es an ihrer Wohnungstür klingelte, wurde Mara aus ihren Gedanken gerissen. Mit samt ihrer Zahnbürste im Mund lief sie zur Tür und öffnete diese. Sie kam nicht mehr aus dem Staunen heraus. Die Zahnpasta tropfte auf den Boden, doch Mara stand bewegungslos im Türrahmen.

„Würdest du mich bitte reinlassen!“, es war Sebastian Moor. Er hatte sich die Kapuze seiner Jacke tief ins Gesicht gezogen, um nicht erkannt zu werden.

Mara wollte sprechen, bemerkte jedoch, dass ihr Mund voller Zahnpasta war. Sie rannte ins Badezimmer, spuckte die Zahnpasta ins Waschbecken und spülte sich ihren Mund aus. Sebastian war ihr gefolgt und stand genau an der Stelle, als er zu ihr gesagt hatte, dass er nicht mehr zu ihr kommen würde. Er war die Feuerblume, sie hatte es gewusst. Und als sie sein Bild im Buch der Feuerblume gesehen hatte, da waren alle Zweifel in ihr gewichen. Sie blickte zu ihm und er schob sich seine Kapuze vom Kopf. Sie sah seine Narben, aber sie empfand sie nicht als schlimm. Sie wusste, dass sie diesen Mann liebte.

Nachdem sie sich ihren Mund mit dem Handtuch abgetrocknet hatte, ging sie zu ihm. Was würde er dieses Mal zu ihr sagen. Sie stand vor ihm, er sagte kein einziges Wort, sondern blickte sie nur an. Sie spürte, dass er zögerte. Also war es an der Zeit, dass sie den ersten Schritt tat. Schließlich war sie neunundzwanzig und musste niemanden mehr fragen, ob sie diesen Mann küssen durfte.

Sie umfasste seine Hände und ging diesen letzten Schritt auf ihn zu, um nun direkt vor ihm zu stehen, „Ich liebe dich!“, flüsterte sie, ihre Lippen trafen auf seinen Mund. Er war nicht überrascht, er war sichtlich angetan, dass sie den ersten Schritt getan hatte. Er zog sie ganz eng an sich. Seine Hände streichelten sanft über ihren Rücken. Ihre Lippen öffneten sich leicht, sogleich fand seine Zunge ihre und es fühlte sich fantastisch an. Sie wollte ihn, nur ihn. Sie zog ihm seine Jacke aus, zog ihm das Shirt über den Kopf. Er stand mit nacktem Oberkörper vor ihr. Mara sah, wie sich die Brandnarben von seinem Gesicht zu seinem Hals über seine Schulter zu seinem Arm zogen. Es störte sie keineswegs. Sie war so ungeduldig, dass sie mit zittrigen Händen seine Hose öffnete. Vollkommen außer Atem von ihren vielen Küssen landeten sie auf Maras Bett. Er liebkoste ihren Körper, jeden Zentimeter ihrer Haut. Sie fühlte sich so wundervoll an, dass Sebastian nicht genug von Mara bekommen konnte. Immer wieder stöhnte sie auf, wenn er eine besonders empfindliche Stelle ihres Körpers erobert hatte, das machte ihn noch verrückter und er musste diese Stelle ein weiteres Mal verwöhnen. Angekommen zwischen ihren Schenkeln tauchte er hinab. Seine Lippen und seine Zunge brachten Mara zu dem Gipfel der puren Lust und entfachte in ihr das Feuer der Leidenschaft. Ihr Stöhnen wurde lauter, ihr Atem kürzer, ihre Bewegungen schneller. Mara hatte sich kaum erholt, da spürte sie, wie er sich auf sie legte. Nun war es an der Zeit, dass sie das Ruder übernahm. Sie stieß ihn weg, was ihn verwunderte. Als sie begann seinen Körper zu küssen und zu streicheln, ließ er es geschehen und genoss jede einzelne Liebkosung von ihr so sehr. Mara spürte wieder diese unbändige Lust in sich, die Kontrolle zu übernehmen. Immer wieder küsste sie Sebastian auf den Mund, gab sich ihm hin, um sich im nächsten Moment ihm wieder zu entziehen. Es war ein Spiel, was Mara gefiel, diesen Mann heiß zu machen, ihn an seine Grenzen zu bringen. Ihre Hände und Lippen vollführten wahre Wunder, er begehrte diese Frau so sehr, dass er nicht länger warten konnte. Es war nicht zu übersehen und für Mara war es ein besonderer Genuss, als sie ihn zuerst mit ihren Händen, dann mit ihren Lippen verwöhnen durfte und letztlich tief in sich spüren durfte. Er sah ihr dabei tief in die Augen, sie war so unglaublich glücklich, dass sie ihn anlächelte, er erwiderte ihr Lächeln und küsste sie immer wieder, mal sanft und anschließend fordernd. Seine Bewegungen wurden intensiver und tiefer. Mara hatte sich nichts sehnlicher gewünscht, als diesen Moment mit ihm zu teilen, den Mann, den sie über alles liebte.

Sie lag in seinen Armen. Bislang hatte noch keiner ein Wort gesprochen. Mara war so glücklich. Ihr linkes Bein umschlang seinen Körper, dieser Mann gehörte ihr, nur ihr.

„Ivonne hat gesagt, du hättest einen Freund mit einem Motorrad?“, seine Stimme war sanft und dennoch neugierig.

Mara hob ihren Kopf und küsste die Narben auf seiner Schulter, „Mein Freund liegt gerade hier in meinem Bett!“, sie schob sich leicht nach oben und küsste ihn auf seinen Mund. Wieder fanden sich ihre Zungen, sie konnte von diesem Mann einfach nicht genug bekommen.

Sebastian schob sie leicht von sich, „Wer ist er?“.

„Warte!“, Mara war aufgestanden und lief nackt durch die Wohnung. Sie kam mit dem Buch der Feuerblume zurück und gab es ihm. Sie sah an seinem verdutzten Blick, dass ihm das Buch bekannt vorkam. „Er ist mein Gefährte!“, Mara erzählte ihm die ganze Geschichte, dass sie nach ihrem Streit ihr Handy aus dem Fenster geworfen hatte, dass sie deshalb ihre Mutter besuchen wollte, aber anschließend bei den Industrieruinen gelandet war und dass sie ihn auf dem Dach des ersten Lagerhauses getroffen hatte. Dass sie mit ihm vierzig Meter in die Tiefe gesprungen war und noch immer lebte. Dass sie nach der Trauerfeier von Xynhia mit ihm auf seinem Motorrad einen Ausflug zu einer Hütte auf einem Berg unternommen hatte. Dass sie sein Boss war, so wie Sebastian ihr Boss gewesen war. Und dass er Sebastian kannte.

„Er wusste, wer ich war?“, Sebastian hielt das Buch in seinen Händen.

„Ja und wenn du mal das Buch durchblätterst, dann wirst du etwas entdecken!“

Er tat wie ihr befohlen und blätterte die Seiten um, dann erkannte er sich und neben ihm war Mara. Jetzt war auch sie ganz verblüfft. Sie richtete sich auf und es war eindeutig zu sehen, sie gehörten zusammen, sie beide waren dazu da, um das Geheimnis der Feuerblume zu entschlüsseln!

Sebastian strich sanft über die Zeichnung von Mara, klappte das Buch zu und legte es auf ihr Nachttisch, „Ich war so eifersüchtig gewesen, als Ivonne es mir erzählt hat. Ich war so wütend auf dich, erst Marco Sanders und dann, wie nannte ihn Ivonne, einen Rocker!“, Sebastian lag über ihr und streichelte sanft ihr Gesicht. Ihre Blicke trafen sich, „Du gehörst mir mein Engel, nur mir! Ich liebe dich so sehr!“.

„Genau das wollte ich doch nur hören!“ und sie zog ihn zu sich herunter und küsste ihn erneut.

Es geht nicht darum besser zu sein, es geht darum anders zu sein! Jetzt verstand auch Mara diesen Satz. Sie musste nicht besser als Sebastian sein. Sie musste anders sein, diesmal gab es nicht nur eine Person, wie sonst, die im Dienste der Feuerblume stand. Dieses Mal gab es zwei. Sie waren noch immer ein Team, jedoch waren sie diesmal ein ebenbürtiges Team.

Das Bild ist von meinem Tumblr: janetooth.tumblr.com

Mara und das Geheimnis der Feuerblume

Episode 10

Es war der Tag von Xynthias Beerdigung. Mara war mit den letzten Trauergästen eingetroffen. Sie schritt langsam zum Sarg und erwies Xynthia ihre letzte Ehre. Es war der schwerste Gang, den sie bislang vor sich gehabt hatte. Noch nie war so eine junge Frau in ihrem Leben gestorben. Menschen, die ihr Leben gelebt hatten, die diese vielen Momente gespürt hatten, die das Leben für sie bereit gehalten hatte, auf deren Beerdigungen war Mara bislang gewesen. Aber noch nie bei so einer junge Frau, deren Leben in voller Blüte stand und die genauso alt war, wie sie. Dieser Moment am Sarg war so unvorstellbar hart für Mara, sie zitterte am ganzen Körper, ihre Tränen liefen ihr übers Gesicht. Hätte sie damals in der Nacht so vieles anders machen können, hätte sie den Tod von Xynthia verhindern können? Sie wusste es nicht und es würde wohl für immer ein in ihr nagendes Gefühl der Ungewissheit bleiben. Mara ließ den anderen Trauergästen Vortritt, damit auch sie sich von Xynthia verabschieden konnten. Sie blickte sich nicht weiter in der Kirche um, sondern sie steuerte die letzten Sitzbänke an. Sie hatte lange mit sich gerungen, ob sie auf die Trauerfeier gehen sollte. Letztlich hatte sie beschlossen, dass sie hingeht.

Mara erkannte Tommy und Ivonne in der zweiten Reihe, direkt neben den Beiden saßen Jessica, Marco, Samantha und David. Sie war froh, dass sie sich für die hintersten Sitzplätze entschieden hatte, so konnte sie nach der Trauerfeier ohne weiteres Aufsehen aus der Kirche verschwinden.

Der Abschied von Xynthia fiel allen schwer. Eine junge Frau, die ihr Leben noch vor sich hatte, war auf unerklärliche Weise um’s Leben gekommen, so die Worte des Pfarrers.

Auf unerklärliche Weise, Mara zweifelte an dieser Aussage. Tief in ihrem Inneren spürte sie, dass da etwas ganz gewaltig faul sein musste. Xynthia war an diesem Tag noch bei ihr gewesen, sie wies keinerlei Anzeichen einer Erkrankung auf. Sie war gut drauf, quicklebendig und war ganz sicher nicht vom Tode gezeichnet gewesen. Jedoch wusste Mara auch nichts Näheres zu der Todesursache. Wenn es die Feuerblume noch geben würde, dann hätte sie ganz sicher einen neuen Auftrag gehabt und sie hätte gemeinsam mit Tommy in diesem Fall ermittelt. Nun gab es aber nicht mehr die Feuerblume, also musste Mara eine andere Denkweise an den Tag legen.

Das letzte Lied, welches für Xynthia gespielt wurde, erklang, es war ‚My heart will go on‘ von Celine Dion. Mara wischte sich die Tränen von ihren Wangen und schniefte leise in ihr Taschentuch. Die Trauerfeier war zu Ende. Viele Trauergäste gingen noch einmal zu Xynthias Eltern, um ihnen ihr Beileid zu bekunden. Mara reihte sich in den Menschenstrom ein, welcher sofort nach der Trauerfeier die Kirche verließ. Sie kannte Xynthia zu wenig, um noch ein letztes Wort mit ihren Eltern zu reden.

Mara hatte sich bereits von der Kirche entfernt, als sie ihren Namen rufen hörte. Sie ärgerte sich, dass sie nicht gleich aufgestanden war und die Kirche sofort verlassen hatte. Sie drehte sich um und sah, dass Ivonne auf sie zugeeilt kam, „Mara, wie geht es dir? Ich habe dir einige Nachrichten auf dein Handy geschrieben, aber du hast nicht geantwortet!“, sie blieb direkt vor Mara stehen.

„Ich habe kein Handy mehr, ist mir aus dem Fenster gefallen. Und jetzt ist es nur noch Schrott!“, Mara schob ihre Hände tief in ihre Manteltaschen. Sie fühlte sich nicht mehr wohl in Ivonnes Nähe, denn sie hatte Angst, dass sie etwas von ihrem Streit mit ihm wusste.

„Tommy und ich, wir haben uns solche Sorgen gemacht, weil wir nichts mehr von dir gehört haben!“, Ivonne sah ihre Freundin voller Mitgefühl an. Sie vermisste Mara ganz schrecklich. Sie wusste nicht, was in dieser Nacht geschehen war. Tommy hatte zu ihr gesagt, Mara gehörte nicht mehr zum ‚Team Feuerblume‘. Er war genauso überrascht gewesen, wie sie und er vermisste die Zeit mit Mara viel zu sehr. Am liebsten hätte Ivonne Mara ganz fest umarmt, ihrer Freundin gezeigt, dass sie für sie da war, aber Mara war so anders. Sie hatte sich total verändert, war nicht mehr die Mara, die Ivonne immer gekannt hatte. Ivonne war dankbar gewesen, dass Mara ihre beste Freundin war. Sie wusste, dass es für Mara alles andere als leicht in der Schule gewesen sein musste, aber sie hatte nie an der Freundschaft zu ihr gezweifelt. Obwohl sie zwei vollkommen unterschiedliche Menschen waren, waren sie stets zwei Menschen, die weit mehr verband, um füreinander da zu sein. Ivonne hätte alles dafür getan die alte Mara wieder zu haben, aber sie wusste nicht wie.

Es war ein ohrenbetäubender Lärm, der immer näher und näher kam. Beim Betrachten der Straße erkannte man, wer dieses Geräusch verursachte, es war ein Motorrad, welches die Straße hinunterfuhr. Der Fahrer blieb direkt vor Ivonne und Mara stehen. Er klappte sein Visier nach oben. Mara erkannte seine Augen sofort, ein freudiges Lächeln glitt über ihr Gesicht.

„Mara kommst du?“, er hielt ihr einen Motorradhelm hin. Sie ging auf ihn zu, nahm den Helm entgegen. Ivonne war vollkommen sprachlos. Alle Trauergäste, die soeben noch in der Kirche gesessen waren, standen nun vor der Kirche, auch Jessica und Marco. Ein tiefes Gefühl der inneren Genugtuung flutete Maras Körper, als sie den Helm aufsetzte.

„Tschüss Ivonne. Bestelle Tommy liebe Grüße von mir!“, sie schwang sich hinter ihm aufs Motorrad und legte ihre Arme ganz fest um seine Hüften.

„Gut festhalten Kleines!“, rief er ihr zu. Mit ohrenbetäubenden Lärm drehte er und fuhr an den staunenden Trauergästen vorbei.

Ivonne kannte diesen Mann nicht, wusste nicht einmal, dass Mara neuerdings auf Rocker stand. Sie war vollkommen verblüfft, als sich Mara zu ihm aufs Motorrad gesetzt hatte.

„Wer war das?“, Tommy war zu Ivonne gerannt und blieb neben ihr stehen.

„Ich habe keine Ahnung!“, sie sah ihren Mann total entgeistert an, „Was ist nur mit ihr los? Hast du nochmal mit ihm gesprochen, was in dieser Nacht passiert ist?“.

„Ja, aber er weigert sich mit mir darüber zu reden. Ich haben keine Ahnung. Er muss verletzt sein, sonst hätte er niemals so überreagiert. Du kennst ihn, er hat schon viel im Leben mitgemacht, was ihn verändert hat. Aber dieses Mal muss es tiefer gegangen sein, sonst hätte er doch niemals solch eine Entscheidung getroffen. Mara war sein bestes Pferd im Stall. Sie war doch diejenige die seine Aufträge erfüllt hatte. Ich war immer nur der Statist, der ziemlich erbärmlich neben Mara gewirkt hatte. “

„Warst du ganz sicher nicht mein Schatz!“, Ivonne legte ihren Arm um ihren Mann und gab Tommy einen Kuss auf den Mund, „Ich liebe dich! Und du warst nicht nur ein Statist. Du hast soviel für ihn getan und dafür bin ich dir unendlich dankbar und er ist es mit Sicherheit auch. Du kennst ihn, Gefühle waren noch nie so sein Ding. Er ist nicht wie du. Er war schon immer derjenige, der es hasste, wenn er über seine Gefühle sprechen musste. Aber du hast ihn ja schon selbst oft genug erlebt!“

Tommy lächelte seine Frau an. Oh ja, dass hatte er und er hatte ihn schon oft genug auf den Mond schießen können. Er, mit seiner überheblichen, arroganten Art, der immer alles besser wusste und keine gut gemeinten Ratschläge annahm. Jedoch Mara hatte es geschafft ihn ihm etwas zu verändern. Er war anfangs noch dagegen, als Tommy vorschlug sie in ihr Team zu holen. Aber nach einer gewissen Zeit kam es Tommy so vor, als wäre er das erste Mal ein anderer Mensch. Er war zurückhaltender geworden. Hatte Mara zu hundert Prozent vertraut. Hatte ihr manchmal zu viel zugestanden, was Tommy auch nicht immer verstand. Aber Frauen konnten Männer ganz wunderbar um ihren Finger wickeln, das kannte er schließlich von Ivonne auch. Tommy hatte da so seine Vermutung, welche er noch nicht laut ausgesprochen hatte. Er befürchtete, dass zwischen Mara und ihm mehr gewesen sein musste. Ansonsten er hätte niemals so eine harte Entscheidung getroffen!

Das Bild ist von meinem Tumblr: janetooth.tumblr.com