Mara und das Geheimnis der Feuerblume

Episode 10

Es war der Tag von Xynthias Beerdigung. Mara war mit den letzten Trauergästen eingetroffen. Sie schritt langsam zum Sarg und erwies Xynthia ihre letzte Ehre. Es war der schwerste Gang, den sie bislang vor sich gehabt hatte. Noch nie war so eine junge Frau in ihrem Leben gestorben. Menschen, die ihr Leben gelebt hatten, die diese vielen Momente gespürt hatten, die das Leben für sie bereit gehalten hatte, auf deren Beerdigungen war Mara bislang gewesen. Aber noch nie bei so einer junge Frau, deren Leben in voller Blüte stand und die genauso alt war, wie sie. Dieser Moment am Sarg war so unvorstellbar hart für Mara, sie zitterte am ganzen Körper, ihre Tränen liefen ihr übers Gesicht. Hätte sie damals in der Nacht so vieles anders machen können, hätte sie den Tod von Xynthia verhindern können? Sie wusste es nicht und es würde wohl für immer ein in ihr nagendes Gefühl der Ungewissheit bleiben. Mara ließ den anderen Trauergästen Vortritt, damit auch sie sich von Xynthia verabschieden konnten. Sie blickte sich nicht weiter in der Kirche um, sondern sie steuerte die letzten Sitzbänke an. Sie hatte lange mit sich gerungen, ob sie auf die Trauerfeier gehen sollte. Letztlich hatte sie beschlossen, dass sie hingeht.

Mara erkannte Tommy und Ivonne in der zweiten Reihe, direkt neben den Beiden saßen Jessica, Marco, Samantha und David. Sie war froh, dass sie sich für die hintersten Sitzplätze entschieden hatte, so konnte sie nach der Trauerfeier ohne weiteres Aufsehen aus der Kirche verschwinden.

Der Abschied von Xynthia fiel allen schwer. Eine junge Frau, die ihr Leben noch vor sich hatte, war auf unerklärliche Weise um’s Leben gekommen, so die Worte des Pfarrers.

Auf unerklärliche Weise, Mara zweifelte an dieser Aussage. Tief in ihrem Inneren spürte sie, dass da etwas ganz gewaltig faul sein musste. Xynthia war an diesem Tag noch bei ihr gewesen, sie wies keinerlei Anzeichen einer Erkrankung auf. Sie war gut drauf, quicklebendig und war ganz sicher nicht vom Tode gezeichnet gewesen. Jedoch wusste Mara auch nichts Näheres zu der Todesursache. Wenn es die Feuerblume noch geben würde, dann hätte sie ganz sicher einen neuen Auftrag gehabt und sie hätte gemeinsam mit Tommy in diesem Fall ermittelt. Nun gab es aber nicht mehr die Feuerblume, also musste Mara eine andere Denkweise an den Tag legen.

Das letzte Lied, welches für Xynthia gespielt wurde, erklang, es war ‚My heart will go on‘ von Celine Dion. Mara wischte sich die Tränen von ihren Wangen und schniefte leise in ihr Taschentuch. Die Trauerfeier war zu Ende. Viele Trauergäste gingen noch einmal zu Xynthias Eltern, um ihnen ihr Beileid zu bekunden. Mara reihte sich in den Menschenstrom ein, welcher sofort nach der Trauerfeier die Kirche verließ. Sie kannte Xynthia zu wenig, um noch ein letztes Wort mit ihren Eltern zu reden.

Mara hatte sich bereits von der Kirche entfernt, als sie ihren Namen rufen hörte. Sie ärgerte sich, dass sie nicht gleich aufgestanden war und die Kirche sofort verlassen hatte. Sie drehte sich um und sah, dass Ivonne auf sie zugeeilt kam, „Mara, wie geht es dir? Ich habe dir einige Nachrichten auf dein Handy geschrieben, aber du hast nicht geantwortet!“, sie blieb direkt vor Mara stehen.

„Ich habe kein Handy mehr, ist mir aus dem Fenster gefallen. Und jetzt ist es nur noch Schrott!“, Mara schob ihre Hände tief in ihre Manteltaschen. Sie fühlte sich nicht mehr wohl in Ivonnes Nähe, denn sie hatte Angst, dass sie etwas von ihrem Streit mit ihm wusste.

„Tommy und ich, wir haben uns solche Sorgen gemacht, weil wir nichts mehr von dir gehört haben!“, Ivonne sah ihre Freundin voller Mitgefühl an. Sie vermisste Mara ganz schrecklich. Sie wusste nicht, was in dieser Nacht geschehen war. Tommy hatte zu ihr gesagt, Mara gehörte nicht mehr zum ‚Team Feuerblume‘. Er war genauso überrascht gewesen, wie sie und er vermisste die Zeit mit Mara viel zu sehr. Am liebsten hätte Ivonne Mara ganz fest umarmt, ihrer Freundin gezeigt, dass sie für sie da war, aber Mara war so anders. Sie hatte sich total verändert, war nicht mehr die Mara, die Ivonne immer gekannt hatte. Ivonne war dankbar gewesen, dass Mara ihre beste Freundin war. Sie wusste, dass es für Mara alles andere als leicht in der Schule gewesen sein musste, aber sie hatte nie an der Freundschaft zu ihr gezweifelt. Obwohl sie zwei vollkommen unterschiedliche Menschen waren, waren sie stets zwei Menschen, die weit mehr verband, um füreinander da zu sein. Ivonne hätte alles dafür getan die alte Mara wieder zu haben, aber sie wusste nicht wie.

Es war ein ohrenbetäubender Lärm, der immer näher und näher kam. Beim Betrachten der Straße erkannte man, wer dieses Geräusch verursachte, es war ein Motorrad, welches die Straße hinunterfuhr. Der Fahrer blieb direkt vor Ivonne und Mara stehen. Er klappte sein Visier nach oben. Mara erkannte seine Augen sofort, ein freudiges Lächeln glitt über ihr Gesicht.

„Mara kommst du?“, er hielt ihr einen Motorradhelm hin. Sie ging auf ihn zu, nahm den Helm entgegen. Ivonne war vollkommen sprachlos. Alle Trauergäste, die soeben noch in der Kirche gesessen waren, standen nun vor der Kirche, auch Jessica und Marco. Ein tiefes Gefühl der inneren Genugtuung flutete Maras Körper, als sie den Helm aufsetzte.

„Tschüss Ivonne. Bestelle Tommy liebe Grüße von mir!“, sie schwang sich hinter ihm aufs Motorrad und legte ihre Arme ganz fest um seine Hüften.

„Gut festhalten Kleines!“, rief er ihr zu. Mit ohrenbetäubenden Lärm drehte er und fuhr an den staunenden Trauergästen vorbei.

Ivonne kannte diesen Mann nicht, wusste nicht einmal, dass Mara neuerdings auf Rocker stand. Sie war vollkommen verblüfft, als sich Mara zu ihm aufs Motorrad gesetzt hatte.

„Wer war das?“, Tommy war zu Ivonne gerannt und blieb neben ihr stehen.

„Ich habe keine Ahnung!“, sie sah ihren Mann total entgeistert an, „Was ist nur mit ihr los? Hast du nochmal mit ihm gesprochen, was in dieser Nacht passiert ist?“.

„Ja, aber er weigert sich mit mir darüber zu reden. Ich haben keine Ahnung. Er muss verletzt sein, sonst hätte er niemals so überreagiert. Du kennst ihn, er hat schon viel im Leben mitgemacht, was ihn verändert hat. Aber dieses Mal muss es tiefer gegangen sein, sonst hätte er doch niemals solch eine Entscheidung getroffen. Mara war sein bestes Pferd im Stall. Sie war doch diejenige die seine Aufträge erfüllt hatte. Ich war immer nur der Statist, der ziemlich erbärmlich neben Mara gewirkt hatte. “

„Warst du ganz sicher nicht mein Schatz!“, Ivonne legte ihren Arm um ihren Mann und gab Tommy einen Kuss auf den Mund, „Ich liebe dich! Und du warst nicht nur ein Statist. Du hast soviel für ihn getan und dafür bin ich dir unendlich dankbar und er ist es mit Sicherheit auch. Du kennst ihn, Gefühle waren noch nie so sein Ding. Er ist nicht wie du. Er war schon immer derjenige, der es hasste, wenn er über seine Gefühle sprechen musste. Aber du hast ihn ja schon selbst oft genug erlebt!“

Tommy lächelte seine Frau an. Oh ja, dass hatte er und er hatte ihn schon oft genug auf den Mond schießen können. Er, mit seiner überheblichen, arroganten Art, der immer alles besser wusste und keine gut gemeinten Ratschläge annahm. Jedoch Mara hatte es geschafft ihn ihm etwas zu verändern. Er war anfangs noch dagegen, als Tommy vorschlug sie in ihr Team zu holen. Aber nach einer gewissen Zeit kam es Tommy so vor, als wäre er das erste Mal ein anderer Mensch. Er war zurückhaltender geworden. Hatte Mara zu hundert Prozent vertraut. Hatte ihr manchmal zu viel zugestanden, was Tommy auch nicht immer verstand. Aber Frauen konnten Männer ganz wunderbar um ihren Finger wickeln, das kannte er schließlich von Ivonne auch. Tommy hatte da so seine Vermutung, welche er noch nicht laut ausgesprochen hatte. Er befürchtete, dass zwischen Mara und ihm mehr gewesen sein musste. Ansonsten er hätte niemals so eine harte Entscheidung getroffen!

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Mara und das Geheimnis der Feuerblume

Episode 6

Das gestrige Date mit Tommy hatte Spuren hinterlassen. Natürlich hatte sie sich auf dieses Date gefreut. Schließlich waren einige Jahre vergangen, dass sie sich mit einem Mann getroffen hatte. Es lag ganz sicher nicht an ihrem gestörten Verhältnis zu Männern, wie es ihre Mutter ihr immer einreden wollte. Ihre Mutter war der Überzeugung, dass die frühe Scheidung ihrer Eltern in Mara einen bleibenden Schaden hinterlassen hatte. Oh ja, ihre Mutter konnte sich da ganz besonders nett ausdrücken! Mara hatte trotz der Scheidung ihrer Eltern ein sehr gutes Verhältnis zu ihrem Vater. Die anfänglichen Hürden waren mittlerweile überwunden und sie pflegte ein inniges und freundschaftliches Verhältnis zu ihrem Vater, seiner neuen Partnerin und ihren zwei Kindern. Manchmal so war Mara überzeugt, brauchten Menschen zwei Anläufe um den richtigen Partner für’s Leben zu finden. Ausgenommen ihre Mutter, die brauchte weit mehr. Mara wusste nicht mehr wie viele es waren, aber sie wusste noch wie schmerzhaft die Beleidigungen der Mitschüler waren. Es sprach sich meistens schnell herum, wenn ihre Mutter einen neuen Mann traf. Ivonne war die Einzige die Mara verstand, denn sie hatte unter dem unmöglichen Verhalten ihres Bruders, Sebastian Moor, hart zu kämpfen gehabt. Niemand wusste wie es war, wenn der eigene Bruder der heißbegehrteste Junge an der Schule war und zu seiner Schwester der größte Kotzbrocken aller Zeiten. Aber Zeiten änderten sich, zumindest für Sebastian Moor, überlegte sich Mara.

Sie hatte ein Bad genommen und lag nun in ihrem Bett, um noch einige Seiten von ihrem neuen Roman zu lesen. Sie rutschte etwas tiefer in ihr Kopfkissen und gähnte laut. Mal schauen, nach wie vielen Seiten, wohl eher Sätzen oder doch lieber Worten sie das Buch wieder zuklappen würde.

Plötzlich ging das Licht in ihrem Zimmer aus. Mara schreckte auf und saß kerzengerade in ihrem Bett. Sie betätigte den Schalter ihrer Nachttischlampe, jedoch tat sich gar nichts. Entweder war es ein Stromausfall oder ihre Lampe hatte soeben den Geist aufgegeben. Sie schlug die Bettdecke zurück und wollte gerade aufstehen, als sie diesen Schatten sah, der durch ihre Wohnung schlich. Ihr schlug das Herz bis zum Hals, sie fühlte sich wie gelähmt. Sie musste etwas tun, aber nur was? Mara spürte die bleierne Angst, die ihren Körper erfasst hatte. Sie musste sich dagegen wehren! Mit einem Mal schrie sie ganz laut auf und das machte sie so unglaublich stark. Mit einem großen Satz sprang sie aus ihrem Bett, da sie bemerkt hatte, dass der Schatten auf ihre Zimmertür zulief. Mit voller Wucht knallte sie die Tür von innen zu. Sie hörte, wie die Person gegen die Tür stieß und laut aufschrie, „Autsch! Verdammt nochmal!“.

Ein Einbrecher, der schrie? Mara fasste all ihren Mut zusammen und öffnete vorsichtig die Tür von innen. Sie sah die Umrisse eines Mannes, der am Boden kniete und seine Hand gegen seine Nase presste.

„Wer sind Sie?“, sie ging auf ihn zu.

Er hob seine Hand nach oben, als wollte er ihr sagen, dass sie ihm nichts tun sollte, „Die Feuerblume!“.

Das haute Mara dann vollkommen von den Socken. Sie sank nach unten auf ihre Knie, „Habe ich Sie verletzt?“.

„Ich hoffe nicht. Bluten tue ich zumindest nicht!“

Mara stand wieder auf, „Wir müssen das Licht anmachen!“.

„Nein!“, seine Antwort war etwas zu forsch, so, dass Mara einen Schritt zurückwich.

„Es ist nicht wegen Ihnen, es geht um mich. Mir ist es wichtig, dass meine Identität geheim bleibt!“

„Weshalb sind sie dann überhaupt gekommen?“, Mara war etwas pikiert, natürlich interessierte es sie, wer sich hinter der Feuerblume verbarg.

„Tommy hat erzählt, dass Sie gestern Abend ziemlich sauer auf mich waren, weil ich ihn zu dem Date geschickt habe. Es tut mir leid. Ich hätte Sie von Anfang an in den Plan einweihen sollen, aber ich hatte Bedenken, wenn Sie zu viele Details gewusst hätten, dann würden Sie manche Situation mit anderen Augen sehen oder den Personen, die wir in diesem Fall beschattet hatten, zu viel Aufmerksamkeit schenken!“

Damit hatte er natürlich Recht. Mara wäre niemals so ahnungslos auf die Toilette gegangen und hätte Aileen Seibold dabei erwischt, wie sie ihrer Bekannten das Amphetamin gegeben hatte. Aileen Seibold und ihr Mann führten eine renommierte Anwaltskanzlei in dieser Stadt. Mara wusste nicht, was Menschen dazu trieb, dass sie zu derartigen Mitteln griffen. War es der Erfolgsdruck? Im Nachhinein wurde ihr natürlich bewusst, dass sie den gesamten Abend womöglich mit ihren Ohren am Nachbartisch gehangen wäre, aber so war es eben ein Date, bei dem sie ganz zufällig Beobachterin eines Drogenaustausches geworden war.

„Stimmt, Sie kennen mich wohl besser, als ich gedacht habe!“

Er lachte, „Natürlich kenne ich Sie Mara, ansonsten wären Sie nicht in meinem Team!“.

„Das ehrt mich sehr!“, sie verbeugte sich leicht, „Aber ich friere in meinem dünnen Shirt. Wenn ich schon kein Licht anmachen darf, dann möchte ich wenigstens in mein Bett!“, sie lief zurück zu ihrem Bett und kroch wieder unter ihre Bettdecke.

„Darf ich mich dazulegen?“, er war aufgestanden und folgte ihr.

„Wie bitte?“, Mara war etwas verstört und schrie leicht auf.

„War ein Scherz!“, er lachte und setzte sich auf das unterste Bettende, „Können wir du zueinander sagen?“.

Diese Frage überraschte Mara ein wenig, aber dagegen hatte sie ganz sicher nichts einzuwenden. „Natürlich, ich bin Mara!“

„Ich weiß!“, er lächelte bei seinen Worten. Mara konnte es zwar nicht sehen, aber sie hörte es.

„Jetzt musst du mir deinen Namen sagen!“, Mara fand, dass die Feuerblume ganz schön begriffsstutzig war.

„Du darfst mir gern einen Namen geben! Aber nicht Vollpfosten!“

Hatte Tommy mal wieder seine Klappe nicht halten können, das machte Mara richtig wütend, „Das tut mir leid, dass war gestern Abend, als ich so richtig sauer auf dich war!“.

Er lachte, „Ich kann mir vorstellen, wie sauer du auf mich gewesen sein musst!“.

„Ich habe mich extra nur für dich so richtig in Schale geworfen!“, Mara spielte mit ihm, denn er sollte wissen, dass er etwas verpasst hatte.

„Ich weiß, ich habe dich gesehen! Du hast fantastisch ausgesehen!“

Jetzt war Mara erneut verärgert, „Das ist jetzt echt nicht fair!“.

„Tut mir wirklich leid Mara. Wie kann ich es nur wieder gut machen?“

Mara schmollte, er hatte sie gesehen, sie aber durfte ihn nicht sehen, was für ein blödes Spiel war das hier? Sie ließ sich in ihr Kissen fallen und sagte nichts mehr.

„Mara?“, er war aufgestanden und kam näher zu ihr, „Darf ich mich setzen?“.

Das war jetzt sehr nah! Verdammt nah! Mara richtete sich auf und keine zehn Zentimeter trennte beide voneinander.

„Ich weiß, dass du mich gestern auf den Mond schießen konntest und auch jetzt, weil du mich nicht sehen darfst! Deshalb möchte ich dir ein Angebot machen, du darfst mich berühren, also ertasten. Klingt das nicht ein wenig verlockend?“

Oh ja, das tat es! Seine Worte entfachten ein gewaltiges Feuer in Mara. Jeder Zentimeter ihres Körpers schien zu brennen. „Wo überall?“, krächzte sie.

„Wo du möchtest!“, raunte er ihr zu, sein Kopf neigte sich ein wenig nach vorn. Er kam ihr so gefährlich nah. Ihre Hand legte sich auf seine Wange. Maras Hand schreckte bei ihrer Berührung sofort zurück. Ganz deutlich hatte sie es gespürt.

„Du willst nicht mehr?“, seine Stimme war besorgt und traurig zugleich, so, als hätte er sie in diesem Moment für immer verloren.

Mara schluckte schwer. Was sollte sie nur tun? Sie hatte ihn sofort erkannt, aber er schien noch immer der Auffassung zu sein, dass sie nicht wusste wer er war. Erschwerend kam noch hinzu, dass sie ihn hassen müsste. Oh ja, sie hatte diesen Mann mehr als einmal verwünscht und ihn verflucht. Andererseits hatte er sich verändert. Seit zwei Jahre arbeitete sie für ihn. Die Feuerblume hatte einen anderen Menschen aus ihm gemacht!

Erneut legte sie ihre Hand auf seine Wange. Sie spürte, wie er wieder zu Lächeln begann. Ein winziger Schauer der Erregung lief über ihren Rücken. Ihre Hand glitt hinab zu seinem Kinn hinab. Kleine Bartstoppeln piksten in Maras Handfläche. Ihr Zeigefinger strich sanft über seine Lippen. Er lächelte noch immer, sie konnte es ganz genau spüren. Noch nie hatte sie einen Mann in vollkommener Dunkelheit berührt. Es war eine besonders schöne und außergewöhnliche Erfahrung, die Mara immer mehr genoss.

Ihre Finger wanderte nach oben, hatten seine Nasenspitze erreicht. „Autsch!“.

Mara stoppte, „Und wenn ich dich doch verletzt habe?“, ihre Worte waren so leise.

„Hast du nicht!“, er rutschte noch etwas näher an sie heran und schob sein Fußgelenk unter das andere Knie, um etwas bequemer zu sitzen.

Ganz behutsam fuhr ihr Finger über seine Nase. Sie war lang, aber nicht zu lang, dachte sich Mara. Also es war keine Stupsnase oder eine breite Nase, nein, er hatte ein schmale Nase. Sie kannte seine Nase, aber so hatte sie ihn schließlich noch nie betrachtet. Sie seufzte leise auf.

„Wenn ich dich jetzt schon zum Seufzen bringe, was tust du erst, wenn ich dich küsse?“, sagte er ganz leise zu Mara.

„Sterben?“ Er lachte. Oh Schitt, hatte Mara dieses Wort tatsächlich ausgesprochen? Dabei wollte sie es doch nur denken!

Dieser Mann machte sie ganz wahnsinnig! „Schließe deine Augen!“, flüsterte sie ihm zu. Ihr Finger fuhr ganz sanft am Wimpernrand entlang. Er hatte für einen Mann ziemlich lange Wimpern. „Welche Augenfarbe hast du?“, Mara kannte seine Augenfarbe, aber mittlerweile gefiel ihr diese Spiel der Ahnungslosen.

„Welche hättest du denn gern?“

„Blau!“, Mara hätte sich ohrfeigen können, sie antwortete viel zu unüberlegt.

„Was machst du, wenn ich keine blauen Augen habe?“

Mara überlegte diesmal etwas länger, „Ich würde dich trotzdem küssen!“.

„Du darfst mich küssen und noch einen extra Kuss, weil ich blaue Augen habe!“, sie fühlte wie er über das ganze Gesicht grinste.

Seine Hand schob sich in ihren Nacken. Ganz langsam zog er sie immer näher und näher. Mara hätte wetten können, es war im Zeitlupentempo und er machte es mit voller Absicht. Ihr Herz raste, ihr Atem ging immer schneller. Sie nahm seinen Atem auf ihrer Haut wahr. Seine Lippen berührten zuerst ihre Nasenspitze, er wollte sie necken, sie lächelte. Er spielte mit ihr. Mara hielt es nicht länger aus, sie rutschte ganz nah an ihn heran und ihre Lippen trafen auf sein. Es war eher ein Aufeinanderprallen, aber er wusste mit dieser Situation umzugehen. Seine Lippen lösten sich, um erneut auf ihre zu treffen. Immer wieder saugte sich sein Mund ganz zärtlich auf ihren. Es fühlte sich so perfekt an, so einzigartig. Ihre Hände glitten von seinem Gesicht zu seinem Hals auf seine Brust hinab. Sie spürte unter seiner Jacke wie durchtrainiert er war.

Seine Hände ruhten nun auch nicht mehr. Er streichelte ihren Hals, strich mit seinen Fingern voller Gefühl über ihre Arme. Seine Hände schoben sich unter ihr Shirt. Sie fühlte sich so herrlich warm an. Ihre Haut war unglaublich weich. Er konnte nicht genug von ihr bekommen, er musste sich unbedingt zurückhalten. Doch Mara schien das Gleiche zu wollen. Ihre Hände legten sich um seine Handgelenke, sie führte sie geradewegs zu ihrem viel zu verlockenden Busen. Ihre harten Brustwarzen drückten sich gegen seine Handflächen. Er stöhnte leicht auf, denn der Gedanke, was er mit ihnen alles machen würde, machten ihn rasend. Er wollte nicht nur dieses eine Mal, er wollte sie noch viel öfters besuchen und irgendwann, wenn die Zeit passte, dann würde er wollen, dass sie ihn auch sehen durfte. Er zog sich leicht zurück.

Mara bemerkte seine Reaktion, „Habe ich etwas falsch gemacht?“.

„Nein hast du nicht. Es war wunderschön. Gib dir bitte keine Schuld! Ich möchte dich gern wieder besuchen, aber momentan geht es nur in der Dunkelheit!“

Mara war es egal, wann er sie besuchte, es war ihr nur wichtig, dass er sie besuchte. Sie rang nach Worten, „Du kommst wieder?“.

„Natürlich. Welcher Mann kann dir schon widerstehen?“

Alle, schoss es Mara durch den Kopf. Er stand auf, beugte sich noch einmal zu ihr hinunter und gab ihr einen letzten Kuss.

Mara beobachte, wie er in der Dunkelheit zur Tür ging. „Mara, egal was passiert, ich beschütze dich. Ich bin immer für dich da!“

„Auch wenn du nicht da bist?“, Mara lächelte ein wenig.

„Auch wenn ich nicht da bin!“, sagte er und dann war er weg.

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Mara und das Geheimnis der Feuerblume

Épisode 5

Sie brauchen ein Date! Heute Abend um 18.00 Uhr im Ricardos.

Mara hielt die Nachricht von der Feuerblume in ihrer Hand und war vollkommen durcheinander. Ein Date mit ihm! Natürlich wusste sie nicht, ob er ein er war. Aber Tommy hatte sich einmal verplappert und da war sie sich zu neunundneunzig Prozent sicher, dass die Feuerblume ein Mann sein musste, auch wenn Tommy es seitdem vehement abstreitet. Zwei Jahre kannte sie bereits die Feuerblume und hatte noch nie näheren Kontakt zu ihm gehabt.

Mara musste sofort ihren Kleiderschrank checken, schließlich musste sie gut aussehen, nein, sie musste umwerfend aussehen. Geschlagene zwei Stunden hatte sie gebraucht, bis sie mit sich zufrieden war. Sie wusste, dass das ‚Ricardos‘ eines der teuersten Restaurants der Stadt war. Dort einen Platz zu bekommen war mehr als schwierig. Entweder man kannte dort jemanden oder man gehörte zur Elite der Stadt. Mara hatte weder Beziehungen zu den Angestellten des Restaurants, noch war sie reich.

Sie blickte auf ihre Uhr. Sie hatte noch genügend Zeit, um vor ihm im Restaurant zu sein. Da sie nicht wusste, wie dieser Abend ausgehen würde, also wenn die Frage kam – Zu dir oder zu mir? – da rief sie sich dann doch lieber ein Taxi. Zehn Minuten vor achtzehn Uhr betrat sie das ‚Ricardos‘. Nun spürte sie, wie nervös sie eigentlich war. Die ganze Zeit war sie damit beschäftigt gewesen ihren Kleiderschrank zu durchsuchen, zu duschen, ihre Haare zu stylen, sich zu schminken und sich letztlich in ihr spektakuläres Kleid zu zwängen.

Die Dame am Empfang sah sie freundlich an. „Ich habe um achtzehn Uhr eine Verabredung!“ Sie schaute in ihr Buch, „Frau Sommer?“ und nannte oder fragte vielmehr nach ihren Namen.

„Ja, das bin ich, Mara Sommer!“, Mara war total aufgeregt. Sie konnte kaum ruhig stehen. Ihre Finger öffneten und schlossen schon während der Taxifahrt ständig ihre Clutch.

„Kommen Sie bitte mit. Ihre Verabredung ist noch nicht da. Ich hoffe, das stört sie nicht?“ Sie brachte Mara an einen Tisch für zwei Personen. Mara überlegte, auf welche Seite sie sich lieber hinsetzen sollte. Im Rücken zu den Leuten und sich nur auf ihn konzentrieren oder doch eher in den Raum blickend. Die Dame vom Empfang hatte bereits einen Stuhl nach hinten geschoben und so Maras Überlegungen ein schnelles Ende gesetzt, mit dem Rücken zu den Leuten. „Darf ich Ihnen schon etwas zu Trinken bringen?“

Mara überlegte einen kurzen Moment, „Ich warte lieber auf meine Begleitung!“ Die Dame vom Empfang nickte ihr zu und entfernte sich wieder.

Mara hätte schon gern etwas Stärkeres bestellt, damit sie ihre Angst oder doch eher ihre Aufregung wegtrinken konnte. Aber sie wollte sich bei ihrem ersten Date ganz sicher nicht blamieren. Das Restaurant füllte sich nach und nach. Direkt neben Mara setzten sich zwei Pärchen. Sie schienen eng befreundet zu sein. Die Männer redeten über ihren Arbeitstag, die Frauen über ihren momentanen Erschöpfungszustand. Man, man, man, dachte sich Mara, die Frauen hatten vielleicht Probleme. Sie war schließlich alles andere als erschöpft, sie hatte Adrenalin pur in sich, so sehr machte sie sich vor Angst in die Hose.

„Tut mir leid, dass ich zu spät bin!“

Mara blickte sich um, eigentlich hätte sie sich nicht einmal umblicken müssen, denn die Stimme kam ihr mehr als bekannt vor. Es war Tommy!

Mara wollte schon aufspringen, da legte er ihr seine Hand auf die Schultern, „Alles ist gut. Es ist ein Auftrag Mara!“.

Ein Auftrag! Mara schossen hunderte von Schimpfwörter durch den Kopf. Sie war wütend! Sie war fassungslos! Sie war entsetzt! Ein Auftrag! Und sie hatte stundenlang gebraucht, um sich zurechtzumachen. Hätte sie gewusst, dass es ein Auftrag ist, wäre sie in Jogginghose gekommen.

„Mara bleib bitte ruhig!“, Tommy sah es Mara an, sie war kurz vorm Explodieren.

„Was darf ich Ihnen zu Trinken bringen?“, die Kellnerin war an ihren Tisch getreten.

„Einen Whisky!“, Maras Entschluss stand fest.

„Wir haben verschiedene Whiskysorten!“, die Kellnerin wollte ihr gerade alle Whiskysorten des Hauses aufzählen.

„Egal, Hauptsache stark!“, Mara schnitt ihr das Wort ab.

„Für mich ein Pils bitte!“, sagte Tommy, „Und für die Dame ein eher nicht so starken Whisky!“, fügte er hinzu.

„Das habe ich gehört Tommy!“, Mara sah ihn böse an.

Die Kellnerin entfernte sich von ihrem Tisch. Neben den beiden ging es bereits hoch her. Es wurde laut gelacht und die Witze, die die Herren erzählten, waren nicht für die Ohren der anwesenden Gäste geeignet.

„Warum hast du es mir nicht gesagt?“, Mara hätte heulen können.

„Ich musste es ihm hoch und heilig versprechen.“, Tommy beugte sich ein wenig nach vorn und begann zu flüstern, „Der Tisch neben uns, das sind die Personen, die wir beobachten sollen. Falls wir etwas Auffälliges bemerken, sollen wir ihm Bescheid geben, damit die Polizei rechtzeitig informiert wird!“.

„Bescheid!“, sagte Mara trotzig.

„Ach Mara jetzt sei doch nicht sauer!“, Tommy sah sie an und versucht sie zu beruhigen.

Doch Mara ließ ihm keinerlei Chance dazu, „Du kannst dieser dämlichen Feuerblume Bescheid geben, dass sie mir mal kreuzweise den Buckel runterrutschen kann oder noch besser am Arsch vorbei geht.“, wütend sprang Mara auf, „Wo ist hier das Klo?“.

Die Kellnerin stand direkt hinter ihr, „Die Toiletten befinden sich dort drüben, Treppe hinunter, erste Tür rechts!“.

Mara war zu wütend, um sich bei ihr zu bedanken. Sie stampfte davon. Im Klo schloss sie sich ein und wusste nicht, ob sie heulen sollte, dann war aber ihr schönes Make up vollkommen ruiniert. Nicht mal das konnte sie in diesem Laden! Sie musste perfekt aussehen, für ein perfektes Date, mit einem perfekten Mann. Sie könnte kotzen. Ein Auftrag! Was hätte es auch anderes sein sollen, als ein Auftrag.

Im Klo, dass heißt, direkt vor ihrem Klo wurde es ziemlich laut. Ein Gekicher und Gegacker. Mara hielt sich die Ohren zu, damit sie wenigstens ihr kleines Geschäft in Ruhe verrichten konnte. Nachdem sie ihr enges Kleid versucht hatte halbwegs wieder glatt nach unten zu ziehen verließ sie die Toilette. Draußen standen die zwei Frauen vom Nachbartisch. Sie hatten Mara gar nicht bemerkt.

Eine der Damen hielt eine Tüte mit roten Tabletten in ihrer Hand, „Nimm, die werden dir gut tun!“. Sie hielt der Frau die Tüte hin, als wären es Schokobonbons. Mara traute ihren Augen kaum. Sie nahm eine Tablette. „Musst zwei nehmen, da ist die Wirkung noch explosiver!“, tatsächlich sie griff noch einmal zu.

Mara ging einen Schritt zurück, schob leise die Tür wieder von innen zu. Erneut drückte sie auf die Toilettenspülung. Laut hustend trat sie aus der Toilette. Nun endlich hatten die Frauen Mara bemerkt. Die Frau mit den Tabletten in der Hand, schob diese unbemerkt, naja alles andere als unbemerkt in ihre Handtasche zurück. Die andere Frau, die soeben noch unter dem Wasserhahn gehangen war, hob blitzartig ihren Kopf und erkundigte sich nach ihrer Frisur.

„Sieht gut aus!“, sagte Mara zu ihr.

„Meinen Sie wirklich?“, sie prüfte erneut, ob alle Strähnen ihres Bobs richtig lagen.

„Die Haare liegen perfekt!“, Mara hatte sich neben die Frau gestellt und wusch ihre Hände. Bevor sie zur Tür ging, drehte sie sich noch einmal um, „Schönen Abend wünsche ich Ihnen!“. Sie öffnete die Tür und hörte noch, „Das ist eine sehr nette Person!“.

Wenn die wüssten, wie nett ich bin, dachte sich Mara und ging mit eiligen Schritten auf ihren Tisch zu. „Du kannst Mister Vollpfosten anbimmeln, die Damen haben sich soeben auf dem Klo zugedröhnt. Die Menge, die sie in ihre Tasche hat, reicht für uns alle hier!“, zischte Mara über den Tisch. Sie nahm den Whisky, „Prost!“.

Tommy funkelte sie böse an und schüttelte seinen Kopf.

„Was ist?“, Mara blickte Tommy unschuldig an.

„Unterstehe dich, dass du dich hier volllaufen lässt!“

„Und wenn, die Rechnung bezahlt doch so und so dein bester Freund!“

„Unser bester Freund!“, Tommy verpasste Mara einen leichten Tritt unter dem Tisch. „Autsch!“

In diesem Moment kamen die zwei Frauen vollkommen relaxt oder doch eher vollkommen high zurück an den Nachbartisch. Mara war so angewidert. Sie verstand die Leute nicht, die dieses Zeug nahmen. Sie wussten wohl nicht, wie sehr sie damit ihren Körper schadeten, nur um einmal gut drauf zu sein. Ganz ehrlich da trinkt Mara lieber noch einen Whisky. Die Bestellung wurde gebracht, obwohl Mara nichts bestellt hatte. Sie sah erstaunt zu Tommy, der schien aber genauso überrascht zu sein. „Mit bester Empfehlung und einen angenehmen Abend soll ich Ihnen ausrichten!“, die Kellnerin begutachtete noch einmal alle Teller und Schüsseln, welche sie gerade auf den Tisch gestellt hatte. Auf dem Tisch stapelten sich die Teller und Schüsseln mit dem leckersten Essen. Mara musste zugeben, so schlecht war ihr Boss dann doch nicht, er wusste, wie man Leib und Seele glücklich machte, „Lass uns essen, wenn schon kein Date, dann wenigstens richtig gutes Essen!“.

Das Essen wurde durch das Eintreffen der Polizei gestört, aber Mara ließ sich nicht beirren. Sie starrte nicht, wie die anderen Gäste zu den zwei Pärchen, die mit Handschellen abgeführt wurden. „Ich bin zwar voll, aber auf das Dessert verzichte ich ganz sicher nicht!“, Mara hätte platzen können, aber nach diesem Tag war es ihr egal, mit wie vielen Pfunden mehr sie nach Hause kam und in ihr Bett fiel.

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