Mara und das Geheimnis der Feuerblume

Episode 13

„Ladies and Gentlemen, der Tag ist früh, die Nacht war kurz!“, seine laute Stimme riss Mara und Sebastian aus ihren Schlaf.

„Das auch noch!“, Mara sah erschrocken auf und erblickte ihren Gefährten in der Schlafzimmertür. Sie war müde, sie wollte schlafen und ließ sich wieder zurück in ihr Kissen fallen. Sebastian regte sich nun auch neben ihr.

„Hallo ihr zwei Nachteulen, ich habe frische Brötchen gekauft. Weil es alle getan haben. Ich habe mich in diese Reihe gestellt und habe gefragt, was denn hier los sei. Und sie haben gesagt, dass sie für ihre Frau oder Freundin Brötchen kaufen, da es sonst sehr ungemütlich am Sonntagmorgen werden würde. Und so dachte ich mir, dass ich das gleiche für meine Freunde tue. Naja, habe gedacht, dass ihr euch wenigstens freut!“, er verzog sein Gesicht zu einer bemitleidenswerten Miene, das hatte er schon voll drauf.

„Das ist echt lieb von dir, nur ist es irgendwie noch viel zu früh!“, Mara richtete sich wieder auf und sah diesen riesigen Kerl mit der Bäckertüte in der Hand und musste lächeln. Sie entschied sich aufzustehen und zog dabei die Decke an sich.

„Hey Engel, was tust du da!“, Sebastian schimpfte, als Mara mitsamt der Decke aufstand und er vollkommen nackt auf dem Bett lag. Sogleich zog er das Kissen unter seinem Kopf hervor und bedeckte seinen Schambereich.

„Er ist ein Mann, du bist ein Mann, ich glaube nicht, dass er nicht auch das gesehen hat, was du hast!“, Mara richtete sich auf und ging wie eine Königin zur Schlafzimmertür, ihre Decke zog sie wie ein lange Schleppe hinter sich her.

„Du redest von einem Penis, einem männlichen Geschlecht, auch Glied oder Phallus genannt!“, dieser Mann war … Mara ging auf ihn zu und gab ihn einen Kuss auf die Wange.

„Genau davon!“ und sie zwinkerte ihm zu, „Das ist übrigens Sebastian!“.

„Ich weiß!“

„Dann solltet ihr euch anfreunden. Anscheinend sieht er dich ja jetzt!“, Mara war bereits aus der Tür gegangen.

„Ich habe ihn auch schon vorher gesehen, aber ich habe ihn ignoriert. Er hat die ganze Zeit wie ein Verrückter gesungen!“, rief Sebastian hinter ihr her.

Mara war bei seinen Worten wieder umgekehrt, „Sebastian Moor, du bist doch der größte Trottel aller Zeiten. Er ist der Schlüssel zur Feuerblume und du hast ihn ignoriert. Liebster gewöhne dich an den Gedanken, dass wir jetzt ein Team sind und dass er auch dazu gehört!“, Mara zeigte auf ihren Gefährten.

„Das werde ich!“, stöhnend ließ sich Sebastian nach hinten fallen, „Aber bitte ohne seine Gesänge!“.

Lauthals begann er ‚The Show must go on‘ von Queen zu singen und ging hinter Mara her und bog Richtung Küche ab.

Mara lachte laut auf, sie mochte ihren Gefährten viel zu sehr und verschwand im Badezimmer.

Frisch geduscht und wie ein vollkommen neuer Mensch kam Mara aus dem Badezimmer, als sie die Worte hörte, welche aus der Küche drangen. Sie folgte dem Geruch von frisch gebrühten Kaffee und diesen verheißungsvollen Brötchen, welche er extra vom Bäcker geholt hatte. Sebastian saß zusammen mit ihm am Tisch. Sie waren in ein Gespräch vertieft und das gefiel Mara sehr. Sie ließ sich auf einen der freien Stühle nieder und versuchte bei ihrem Gespräch Anschluss zu finden, doch so richtig schlau wurde sie nicht.

Ihr Gefährte goss ihr Kaffee in die Tasse, wofür sie sich bei ihm bedankte. Sie nahm sich ein Brötchen und grinste beide Männer an ihrem Tisch an, „Dieser Tag ist so perfekt!“.

„Warum?“, Sebastian sah sie fragend an.

„Mein Liebster fragt mich, warum! Weil du bei mir bist und ich so unendlich glücklich bin. Und weil wir einen gemeinsamen Freund haben, der uns bezüglich der Feuerblume hilft. Was kann da nicht perfekt sein?“

„Die Vorstellung, dass Xynthia an einer illegalen Substanz gestorben sein muss!“, Sebastian war viel zu realistisch.

„Wie kommst du darauf?“, Mara sah Sebastian entsetzt an.

„Die Ärzte haben es erwähnt, aber es wird vertuscht, weil es da weit mächtigere Männer gibt, die dafür verantwortlich sind!“

„Bleib bitte ruhig Mara, wir finden diese Männer und dann werden sie zur Verantwortung gezogen!“, der Gefährte hatte seine Hand auf ihre gelegt, weil er bemerkte, wie in Mara die Erinnerungen hochkamen und sie noch lange nicht den Tod von Xynthia verarbeitet hatte. Sie wischte sich ihre Tränen aus dem Gesicht.

Mara räusperte sich und sprach, „Ihr habt Recht. Wir haben jetzt die Chance gemeinsam zu ermitteln und das werden wir auch tun!“.

„Aber keinen Sex mehr mit Marco Sanders!“, Sebastian sah sie eindringlich an.

„Wenn er uns weiterhilft!“, sagte Mara ohne groß zu überlegen.

Sebastian ließ laut scheppernd das Messer fallen und sah Mara vollkommen entgeistert an. Er liebte diese Frau und sie würde allen Ernstes Sex mit Marco Sanders haben, wenn es sie in ihren Ermittlungen weiterbrachte.

„Du solltest es Sebastian erklären, wieso du Sex mit ihm hattest!“, der Gefährte redete Mara gut zu.

„Sage bloß, du hast mit ihm schon darüber geredet?“, Sebastian war fassungslos.

„Nein Mister Neunmalklug!“, Mara funkelte Sebastian böse an, „Er kann unsere Gedanken lesen, was manchmal sehr hilfreich ist!“.

„Okayyyy!“, Sebastian sah den Gefährten mehr als misstrauisch an.

Dieser grinste breit, „Keine Angst, ich sage ihr nichts von deiner Affäre mit Roxanne letzte Woche!“.

Mara wollte gerade aufspringen, als ihr Gefährte sie mit seiner Hand festhielt, „Kleines, das war ein Scherz! Jetzt beruhigst du dich erstmal und dann redet ihr zwei, was dringend nötig ist, denn so kommen wir bezüglich der Feuerblume nicht weiter!“.

Sebastian fand ihn allmählich sympathisch und er lächelte ihn dankbar an. Mara war nicht immer einfach, aber mit ihm an seiner Seite, war es weit einfacher für Sebastian.

„Du hörst mir jetzt zu, ohne mich zu unterbrechen!“, Mara sah Sebastian an und war aufgestanden. Sie hatte sich ans Fenster gestellt und den beiden Männer ihren Rücken zugekehrt. Sie konnte ihnen bei ihren Worten nicht in die Augen blicken, „Die erste Begegnung an diesem Abend mit Marco Sanders hatte ich, als Xynthia mich einigen Leuten vorstellte. Plötzlich kam Jessica Baier wie eine Furie auf mich zugelaufen. Sie hätte mich am liebsten sofort von der Party geschmissen. Marco Sanders wurde mir als ihr Freund vorgestellt und irgendwie schien ich ihm zu gefallen, denn seine Blicke sprachen Bände. Jessica bemerkte das natürlich und war dann noch schlechter drauf. Sie wollte seinem peinlichen Auftritt ein Ende setzen und sagte ihm, er müsste noch mehr Gäste begrüßen. Laufe des Abends begegneten wir uns immer wieder rein zufällig, aber es kam zu keinen weiteren Gespräch. Irgendwann, als ich die Toilette verließ, musste er mich abgepasst haben, denn er stand davor und sprach mich sofort an. Ich hatte bereits etliche Cocktails getrunken und fühlte mich leicht benommen, war im Grunde nicht mehr zurechnungsfähig. Er redete auf mich ein, was für eine schöne Frau ich sei und halt das, was Frauen hören wollen. Plötzlich hatte ich diese innere Eingebung, er war der Mann, der in mir Rachegelüste hervorrief. Der mich von meinen tiefen seelischen Schmerzen, die mir Jessica Baier all die Jahre zugefügt hatte, befreien konnte. Ich sah ihn an und sah, wie sehr ich mit ihm Jessica Baier demütigen konnte. Es war meine Chance es endlich Jessica so richtig heimzuzahlen. Ich begann ihn zu küssen, nachdem er mich unmissverständlich angemacht hatte und mir direkt gesagt hatte, er wollte sich unbedingt mit mir treffen. Ich zeigte ihm, dass ich eine heiße, begehrenswerte Frau war und er war so leicht um den Finger zu wickeln. Samantha hatte uns erwischt, ich hatte geglaubt, sie würde es sofort Jessica erzählten. Am späteren Abend jedoch redete sie auf mich ein, dass ich lieber die Finger von Marco Sanders lassen sollte, denn das würde mir Jessica niemals verzeihen. Ich war auf der Suche nach Xynthia, als ich wie durch Zufall Marco Sanders über den Weg lief. Er nahm mich in sein Spiegelzimmer, so etwas hatte ich zuvor noch nie gesehen. Wir küssten uns und währenddessen spürte ich es tief in mir, ich musste diesen Mann vollkommen unter Kontrolle haben. Ich war der Racheengel, meine Gedanken waren so kalkuliert, so leidenschaftslos, so eiskalt, dass ich im ersten Moment selbst vor mir erschrak. Aber dieses Zimmer mit den Spiegeln, der Gedanke daran, dass ich in diesen Moment Jessica Baier zutiefst verletzen würde, machte aus mir eine vollkommen andere Frau. Wir hatten Sex, ich hatte die Kontrolle über ihn, was ihm scheinbar sehr gefiel. Es war eine lange Nacht mit dem wohl unromantischsten Sex, den ich je gehabt habe.“, Mara drehte sich um und blickte Sebastian an.

Er brauchte einige Minuten, um ihre Worte zu verarbeiten, dann stand er auf und ging auf sie zu, „Ich habe immer gedacht, wir Männer wären nur zu so etwas fähig, aber dass ihr Frauen das auch könnt, das erschreckt mich jetzt ein wenig!“. Er nahm sie fest in seine Arme, „Ich liebe dich mein Engel, verzeihe mir, dass ich gedacht hatte, du würdest den Sex mit Marco genießen. Du musst mich verstehen, er sieht fantastisch aus, ich bin nur noch ein Krüppel. Ich habe einfach nur Angst, ich könnte dich verlieren!“.

Mara schmiegte sich ganz fest an ihn, „Niemals, ich gehöre nur dir!“, sie küsste ihn und wäre ihr Gefährte nicht da gewesen, so wusste sie ganz genau, was sie als nächstes mit ihm gemacht hätte.

„Somit wäre das jetzt auch endlich geklärt und wir können uns endlich dem widmen, was momentan weit wichtiger ist!“, ihr Gefährte goss sich erneut einen Kaffee ein, „Dieses leckere Frühstück hier zu genießen!“

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